Freitag, 18. April 2014

GASTBEITRAG: Alte Post – Neue Kunst

Ronja Lotz zu: "No such Thing as History" im Espace Louis Vuitton München // bis 8.08.14 

Frisch renoviert: Die Residenzpost mit dem Espace ©Louis Vuitton
Wer München in der nächsten Zeit besucht, sollte unbedingt einen Abstecher in den seit Ende März eröffneten Espace von Louis Vuitton machen. Nach Tokyo, Paris, Venedig und Singapur hat nun auch die bayerische Landeshauptstadt mitten in der Innenstadt einen neuen Ausstellungsraum für Kunst erhalten. Dieser liegt – direkt neben dem Ladengeschäft der Luxusmarke – in dem prächtigen Gebäude der ehemaligen Residenzpost. Mit einer Fläche von 320 Quadratmetern ist der Art Espace, bei freiem Eintritt und kostenloser Führung, eine willkommene Abwechslung zum geschäftigen Treiben um den Max-Joseph-Platz. Die erste Ausstellung namens "No such Thing as History" zeigt vier lokal ansässige Sammlungen und Kommissionswerke der Künstlerin Anette Kelm. Kuratiert wurde das Ganze von dem eigentlich als Dramaturg ausgebildeten Jens Hoffmann. Ihn kennt man u.a. als Kurator der 12. Biennale Istanbul (2011) und momentan als Direktor des Jüdischen Museums in New York.
Die Ausstellungsansicht im Erdgeschoss ©Louis Vuitton
Die Ausstellung "No such Thing as History" dreht sich um folgende Frage: Wie entsteht Geschichte, wie wird sie archiviert und kulturell dokumentiert? Der Fokus liegt dabei nicht auf der künstlerischen Präsentation ideologischer Geschichtskonstruktionen wie sie z.B. bei Diktaturen vorkommen, sondern vornehmlich auf westlichen Einzelpositionen. Langweilig? Keineswegs, denn es bedarf den Blick eines Kenners, um die Referenzen der unterschiedlichen Kunstwerke zu dekodieren und den roten Faden von historischen Vorläufern zu finden.
Kunstsammlungen seien eine Art Akkumulation von Geschichte, meint Hoffmann und arrangiert 21 Werke aus den Sammlungen von Peter und Irmgard Wiese, Günter Lorenz und Amandine Cornette de Saint Cyr, Jan Mackert und einer anonymen Sammlung mit griechischen Wurzeln namens ICC. Die Werke der Sammlungen beziehen sich häufig auf Ikonen der Kunstgeschichte – frei nach dem Credo: Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich. Das verbindende Element nennt sich Appropriation und so referiert beispielsweise Lukas Duwenhögger "The Adventures of Venus her Marvellous Experience At The Hands of Italians" auf Sandro Botticellis "Geburt der Venus" oder Simon Dybbroe Møller "-4:33" auf das avantgardistische Anti-Musikstück "4:33" von John Cage.
          Annette Kelms Fotografie von Mabrys Umhängen ©Louis Vuitton
Eine herausragende Stellung nehmen die Arbeiten der deutschen Fotokünstlerin Anette Kelm ein. Ihre Werke im oberen Stockwerk gehören zu keiner Sammlung, sondern inspirierten Hoffmann im Vorfeld zu dem Ausstellungskonzept, eine Sammlung als individuelles Archiv zu betrachten. Kelms acht großformatige Fotografien dokumentieren die Demonstrationsbekleidung der hierzulande beinahe in Vergessenheit geratenen Münchner Feministin Hannelore Mabry (1939-2013). Kelm fand Mabrys Kleidung im Münchner Archiv für Zeitgeschichte und lichtete sie vor weißem Hintergrund auf freischwebenden Bügeln ab. Als Reliquien einer vergangenen politisch hochbrisanten Zeit zeugen die kartoffelsackförmigen Umhänge mit Aufschriften wie "Menschenrecht statt Männerrecht" von etwas, das heute für viele als selbstverständlich gilt: Die politische Gleichstellung der Frau. 1976 publizierte Mabry dafür erstmals die Zeitschrift "Der Feminist" und gründete in München das Frauenforum e.V.. Die erste Publikation der gebürtigen Stuttgarterin trug im Übrigen den Titel "Unkraut ins Parlament" und bezog sich auf die chauvinistische Äußerung des CSU-Mitbegründers und damaligen bayerischen Landtagspräsidenten Michael Horlacher. Dieser sagte: "Als Einzelne wirkt die Frau wie eine Blume im Parlament, aber in der Masse wie Unkraut."
Die Geschichte der deutschen Feminismusbewegung, die heute, wenn überhaupt, mit Alice Schwarzer oder den Lila Latzhosen verbunden wird, verschwindet in großen Archiven zwischen der Dokumentation von Antiatom- und Friedensbewegung. Annette Kelm gräbt sie aus und zwingt zur Revision: Wie wird aktuell mit dem Thema Gleichstellung umgegangen? Entschwindet sie heute als archivierte Geschichte zwischen staubigen Akten oder in kleinen Schaukästen und macht es dadurch eventuell gewissen politischen Strömungen erst möglich gegen einen vermeintlichen "Genderwahn" zu polemisieren?

Dass München nicht nur chic und behäbig, sondern durchaus künstlerisch und politisch unbequem war und sein kann, zeigt die Ausstellung im Espace erst auf den zweiten Blick. Dafür jedoch mit starken Positionen und der ein oder anderen Überraschung bei der Gratisführung – so viel sei verraten. Louis Vuitton hält sich dabei als Marke, obwohl der Ausstellungsraum einen direkten Durchgang zu den teuren Täschchen hat, angenehm im Hintergrund und macht großzügig Platz für die Kunst – die eben nicht nur auf den Handtaschen zu finden ist.
Maximiliansstraße 2a, 80539 München, Mo. - Fr. 12-19 Uhr, Sa. 10-19 Uhr

RONJA LOTZ studierte Kunstgeschichte, Soziologie und Rechtswissenschaften in München und Venedig und arbeitet als freie Journalistin, u.a. für Artinvestor.

Sonntag, 13. April 2014

An der Südwand

zu: 191°S im Salon des Amateurs (Düsseldorf) // erschienen bei INDEX

An einem Nachmittag im vergangenen Jahr hatte das Team von 191°S die spontane Idee, den Salon des Amateurs zum Schauplatz für aktuelle Düsseldorfer Kunst zu machen. Die fünf holten sich Unterstützung vom Kulturamt, im Januar 2014 wurde die Planung dann konkret und am 13. Februar eröffnete die Ausstellungsreihe offiziell, mit viel Publikum und musikalischer Unterstützung von DJ Dimas. Bis morgens um zwei ging die erste 191°S-Veranstaltung – die Organisatoren sind sehr zufrieden. Beim nächsten Mal möchten sie noch eins drauf setzen und die Abläufe optimieren, sagen sie. Früher dran sein mit den Flyern, organisierter vorgehen. Ob das wirklich nötig ist, bleibt abzuwarten, denn ihr Konzept ist so klug, simpel und schlüssig, dass man sich fragt, warum vorher niemand darauf gekommen ist.
Das Team: Edi Winarni, Irakli Bugiani, Luka Kurashvili, Alexander Ernst Voigt, Alexander Gegia, Julia Reich. Foto: Christoph Rickert
Seit seiner Eröffnung im Jahr 2004 dient der Salon des Amateurs tagsüber als "Museumscafé" der benachbarten Kunsthalle, abends wird er zum gut frequentierten Veranstaltungsort und Klub. Der schlichte und schummrige Ort ist eng mit der Düsseldorfer Kunstszene verankert.
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Montag, 17. März 2014

„Eine Idee macht noch keinen Künstler.“


zum Film „Beltracchi – die Kunst der Fälschung“ // derzeit im Kino

Wolfgang und Helene Beltracchi mit einem "Max Ernst"

Er hat die gesamte Kunstwelt vorgeführt, Experten entlarvt, Auktionshäuser in die Irre geführt, große Sammler getäuscht. Wolfgang Beltracchi und seine Frau Helene sind Bonnie & Clyde des Kunstmarktes. Ein Dokumentarfilm von Arne Birkenstock zeigt Ausschnitte aus dem Leben des Paares nach ihrer Verurteilung und dokumentiert so den Wahnsinn eines raffinierten Betrügers.

Es beginnt medias in res. Beltracchi kauft auf einem französischen Trödelmarkt ein altes Gemälde, prüft kennerhaft Keilrahmen, Leinwandqualität, Farbe und Stempel auf der Rückseite. Der geneigte Zuschauer ahnt schon nichts Gutes. Und ja, nach sorgfältiger Entfernung jeglicher Farbe auf der Vorderseite bemalt er in seinem französischen Atelier die Leinwand neu. Das Werk einer Künstlerin soll es werden – die wollte er schon länger mal ins „Programm aufnehmen“.

Beltracchi fälscht und das vor aller Augen. Warum nicht als nächstes mal einen Max Ernst malen? Die 90 Minuten Film sind feinstes Schurkenspiel. Beltracchi gibt sich selbstbewusst als verkanntes Genie. Großkotzig, narzisstisch und gierig zeigen ihn eine schnelle Abfolge privater Fotos: die Familie in ihrer Villa, im Urlaub beim Segeln, alles luxuriös und unbeschwert fröhlich.

Der Film ist nicht ohne Sympathie für den Protagonisten, rückt aber dessen selbstverliebte Gedanken immer wieder in das rechte Licht, indem er Experten wie den Kunsthistoriker Henry Keazor, die Galeristen Sofia Komarowa oder den Auktionator Henrik Hanstein kritisch zu Wort kommen lässt.

An einer Stelle entfährt Beltracchi der Satz: „Eine Idee macht noch keinen Künstler.“ Diese Momente sind es, in denen er sich selbst entlarvt. Ein Nachempfinden eines Künstlers im Sinne eines „best of“ aller Techniken und Motive des Oeuvres macht eben noch lange kein Kunstwerk. Dass es auf die Zeitumstände ankommt, in denen ein Werk entsteht, den Hintergrund und vor allem auf das Suchen, Hadern, Scheitern und ja, die Idee, scheint Beltracchi auszublenden. Einen Max Ernst oder Heinrich Campendonk lediglich nachzuempfinden – und das, wie Beltracchi nicht müde wird zu betonen, auch möglicherweise weitaus besser als die Künstler selber – macht eben noch keine Kunst.

Nachdenklich stimmt aber das, was nicht explizit im Film angesprochen wird: wie kann es sein, dass Wolfgang und Helene Beltracchi seit 1970 über 300 gefälschte Kunstwerke unbemerkt in den Kunstmarkt einschleusen konnten? Durchforsten die Museumsdirektoren der Welt nun ihre letzten Einkäufe nach plötzlich aufgetauchten Meisterwerken der klassischen Moderne? Hinterfragt die Kunstwelt ihre Gier nach neuen Werken? Die aberwitzigen Preise, in denen es vielfach gar nicht mehr um das Kunstwerk an sich, sondern um ein Label, einen Namen geht?
Der Film ist ein Lehrstück über das, was Kunst und die Kunstwelt ist und gleichzeitig ein amüsantes Schurkenspiel mit Tiefgang.

Abb: von Senator Film, DIF, © Wolfgang Ennenbach, Fruitmarket Kultur und Medien. (http://www.filmportal.de/node/1197692/gallery), 17.01.2014

Montag, 10. März 2014

Die Alpen des Ruhrgebiets

zu: Halde Schurenbach in Essen / Halde Beckstraße mit Tetraeder in Bottrop

Zugegeben, im Ruhrgebiet liegt kein Schnee und Wandern wie in den Alpen kann man da auch nicht. Aber die Berge des Ruhrpotts, die Halden, sind eine echte industriekulturelle Besonderheit.

Beim Steinkohlenabbau fällt eine Menge sogenanntes taubes Gestein an. Material, das nicht mehr verwertbar ist. Wohin mit dem Abfall?
Die Halden sind menschengemachte Müllberge aus ebendiesem tauben Gestein. Im Kulturhauptstadtjahr wurden sie als Landmarken des Ruhrgebiets gefeiert und als Berge des Ruhrgebiets von Förstern seit den 60er Jahren aufwändig bepflanzt.
Im Städtedreieck Essen, Bottrop und Gelsenkirchen lassen sich gleich mehrere Haldenbesuche miteinander verbinden.
Richard Serra "Bramme für das Ruhrgebiet" auf der Schurenbachhalde, Essen
Der Weg auf die Halde Schurenbach ist ruhig und schön. Kaum Hinweisschilder weisen den Weg (vielleicht ein Grund, warum hier nur so wenig Leute unterwegs sind?). Vögel zwitschern, am Wegesrand stehen dicht Sträucher und Bäume. Oben angekommen belohnt einen der Blick aufs Ruhrgebiet. Man sieht die Arena auf Schalke, den Nordsternturm mit Lüpertz' Herkules (wir haben HIER schon berichtet), die Zeche Zollverein, Schornsteine und Industrie. Und Kunst gibt es auch noch: einsam auf der weitläufigen Mondlandschaft der Halde erinnert der amerikanische Künstler Richard Serra mit seiner "Bramme für das Ruhrgebiet" an das, was im "Pott" ehemals hergestellt wurde - Stahl.


Tetraeder, Bottrop
Sechs Kilometer weiter ist es wesentlich voller. Autos parken am Straßenrand und der Aufstieg ist schon nicht mehr so idyllisch, einsam und ruhig. Familien mit Kinderwagen, Fahrradfahrer und Fußgänger gibt es hier in Scharen. Der Weg nach oben ist ein wenig schweißtreibender und dauert länger als der auf die Schurenbachhalte. Dafür gibt es aber auch eine echte Attraktion auf dem Gipfel der Halde: den Tetraeder. Eine begehbare Aussichtsplattform, von der sich wieder ein anderer Blick aufs Ruhrgebiet zeigt. Wem das alles zu anstrengend war, der kann auf einer Bank verweilen.

So lässt sich wunderbar ein Sonntagnachmittag verbringen. Wer noch mehr Zeit hat, fährt weiter zur Zeche Haniel oder in das Josef Albers Museum/Quadrat in Bottrop.

Montag, 17. Februar 2014

Kontrastprogramm

zu: "Blended Generations" (et al. ) // bis 16.03.14

Puh. Letzte Woche war viel los in Düsseldorf. Ausstellungseröffnungen u.a. im Kunstverein (Rosa Sijben), im Museum Kunstpalast ("Die Große") und in der Kunstsammlung NRW (Gerhard Richter). Natürlich der alljährlich stets begehrte Rundgang der Kunstakademie. Und der Startschuss für das schöne neue Projekt "191°S" im Salon des Amateurs: Der Künstler Alexander Ernst Voigt hat eine circa zwölf Quadratmeter große Wand in dem Club neben der Kunsthalle bemalt. In Zukunft werden sich weitere Künstler mit dieser Fläche beschäftigen; sie soll eine Plattform für ästhetisch experimentelle und schöpferische Auseinandersetzungen werden und somit einen aktuellen Blick auf das breite Spektrum malerischen, zeichnerischen und konzeptuellen Schaffens in der zeitgenössischen Kunst werfen, so die Organisatoren.
Visualisierung des Kö-Bogens (Libeskind) in der Entwurfsphase
Als ob das alles nicht genug wäre, eröffnete am vergangen Freitag auch 701 e.V. eine neue Ausstellung. Der Kunstverein hat keine eigenen Räume und realisiert seine Ausstellungsprojekte deshalb an unterschiedlichsten Orten. Leerstehende Bürogebäude können somit genauso wie städtische Einrichtungen, oder kommerzielle Galerien zum Schauplatz für Kunst werden. Am bekanntesten ist wohl die Ausstellungsreihe "Regarding Düsseldorf", die bereits sechs Mal junge, aktuelle, lokale Künstler vorstellte. Die zuständige Kuratorin Pia Witzmann hat auch die aktuelle Schau mit dem Titel "Blended Generations" - dieses Mal gemeinsam mit Kunsthallen-Direktor Gregor Jansen - organisiert.
David Lieske
"Blended Generations" ist in dem im vergangenen Jahr eröffneten, viel beachteten Libeskind-Bau, dem "Kö-Bogen" untergebracht. Während in große Teile des Gebäudes bereits Luxusmarken eingezogen sind, herrscht im vierten Stock Leere. Dort befinden sich die Räume noch im Rohbau, dort ist Platz für zeitgenössische Kunst. Und so präsentieren etablierte Künstler wie Harald Klingelhöller, Katharina Sieverding oder etwa Tal R im Dialog mit jungen Positionen besondere Arbeiten in besonderer Atmosphäre.
Der Eingang zum Ufo von Ali Altin, Jochen Goerlach, Taka Kagitomi und deren Freunden, bemalt von Tal R
links: Jochen Goerlach "48 shopping bags" (2014)
Herzstück der Schau ist ein von mehreren Künstlern - "Team Tal R", wie Pia Witzmann formuliert - geschaffenes Ufo, in dessen Inneren ein "Geheimnis" auf den Besucher wartet. Wobei es sich dabei genau handelt, konnten wir aufgrund des Andrangs während der Eröffnung nicht feststellen - Aber vielleicht mag uns ja jemand berichten?!?

Abb. oben von: http://koebogen.info/uber-den-ko-bogen/architektur/ am 16.02.14

Samstag, 15. Februar 2014

IM SCHLAGLICHT: Neues aus dem Hamburger Bahnhof

zu: Susan Philipsz im Hamburger Bahnhof // bis 04.05.14

Wer in diesen Tagen den Hamburger Bahnhof in Berlin betritt, den erwartet ein ungewöhnlich freier Blick auf die berühmte historische Halle. Denn nach Ausstellungen mit Pflanzen und Ballons (kunstgeflüster berichtete über Saraceno) oder gar mit Tieren, hat die schottische Künstlerin Susan Philipsz nun weitestgehend auf Objekte verzichtet: Philipsz zählt zu den renommiertesten Klangkünstlerinnen der Gegenwart. Nachdem sie auf der letzten documenta vertreten und den begehrten Turner Prize gewonnen hat, hat sie nun eigens für den Hamburger Bahnhof eine Sound- Installation entworfen. "Part file score" bedient sich der besonderen Architektur des ehemaligen Gebäudes und verknüpft die Metaphorik des Ankommens und Abfahrens mit der Geschichte des Komponisten Hanns Eisler, der in den 1930er Jahren emigrieren musste. Drei Kompositionen Eislers wurden zu einer 24-Kanal-Sound-Installation arrangiert. Schreitet man durch die leere Halle, verändern sich mit jedem Schritt Klang und Wahrnehmung. Zwölf Grafiken, die Partituren mit Auszügen von FBI-Akten über Eisler zeigen, runden den Versuch der Künstlerin ab, sich mit dem Werk des Komponisten und den sein Leben beschreibenden Themen zu nähern.
Susan Philipsz: Part File Score, 2014, Digitaldruck / Siebdruck, 185x145 cm ©Susan Philipsz
Parallel wartet die Kulturinstitution darüber hinaus noch mit anderen Größen auf. Ebenfalls seit Februar wird die Werkreihe "Serious Games - Ernste Spiele" des Dokumentarfilmers und Videokünstlers Harun Farocki präsentiert. "Wall works" ist schon seit November in den angegliederten Rieckhallen zu sehen, beeilen muss sich außerdem, wer den Dialog mit der Sammlung Marx mit Arbeiten von u.a. Cy Twombly, Andy Warhol und Joseph Beuys noch erleben möchte. Ein neues Konzept bietet das Museum außerdem mit der Reihe "A-Z. Die Sammlung Marzona", mit der bis Sommer 2016 in regelmäßigen Abständen Konzeptkunst der 60er und 70er Jahre in alphabetischer Manier ausgestellt werden: Arte Povera, Daniel Buren und die Ausstellung "C.7500" bilden den Auftakt dazu.

Donnerstag, 6. Februar 2014

Die Schönheit des Banalen

zu: Marijke van Warmerdam "Nahebei in der Ferne" in der Kunsthalle Düsseldorf // bis 16.03.2014

Ob das wohl Reste eines Kindergeburtstag sind, die da noch am Ende der Eingangshalle stehen? Quietschbunte, heliumgefüllte Sterne und Herzen begrüßen mich in der Kunsthalle Düsseldorf und meine Laune steigt gleich ungemein. An fröhlich farbigen Plakaten vorbei, die Treppe hoch und in die Ausstellung - es hört nicht auf. Eine überdimensionale Papiertüte treibt da ihr Unwesen und bewegt sich munter hin und her. Dann zwei Videos, in denen Papageien abgerichtet sind, kleine Kunststücke zu vollführen. Im Hintergrund der Tiere weht zart im Wind eine Tulpenwiese.
Rrrolle - red, 2011
Und schon sind wir mitten in der Welt der Niederländerin Marijke van Warmerdam (*1958). Sie beschäftigt sich ganz offensichtlich am liebsten mit den alltäglichen, zumeist banalen Dingen und zeigt in dieser Ausstellung eindringlich wie schön doch auch Kleinigkeiten sein können.
Wind, 2010
Besonders ihre Videoarbeiten zeigen Unspektakuläres und sind dabei überraschend poetisch: Flugzeuge malen Streifen in den strahlend blauen Himmel, Blätter fliegen durch die Luft, ein Pferd steht auf der Wiese.
Auf großen Gummireifen sitzend kann man in der Kunsthalle Düsseldorf also ein meditatives Weilchen vor den Videoarbeiten verbringen und ein wenig träumen - und wem das zu gewöhnlich ist, für den hat Marijke van Warmerdam auch noch einen echten Bären im Gepäck.

Nicht verpassen!

Abb. von: http://www.boijmans.nl/images/press/full/560/beeldmvw.jpg und 
http://www.dutchartevents.com/usa/usa-new-york/2010/04/17/marijke-van-warmerdam-work-part-of-louis-andriessen-performance-at-carnegie-hall-new-york-city/(06.02.2014).