Mittwoch, 2. Februar 2011

Museumsbesuch gemütlich auf dem Sofa?

zu: Google Art Project // ab sofort im Netz

Google Street View war gestern. Google Art Project ist heute. Die ersten Aufnahmen von Innenräumen wurden bereits gemacht: in den Museen dieser Welt mit der Technik von Street View. Da fährt ein Mensch mit einem Gerät durch die Räume und vermisst - ganz ähnlich wie bei der Außenraumvermessung - die Museumsräume, inklusive der Kunstwerke. Das Resultat ist eine Plattform, auf der man sich bislang in 17 Museen umsehen kann. Darunter finden sich das MoMa in New York, aber auch die Tate Britain in London oder auch die Alte Nationalgalerie Berlins. Hochkaräter also - obwohl mir nicht ganz klar ist, wie es genau zu dieser Auswahl kommt. Das Museum Kampa in Prag ist auch dabei - ein Wiener Museum fehlt. Es scheint willkürlich.




Aber zurück zu dem, was Google Art Project kann: der Besucher der Seite kann sich einen virtuellen Eindruck von den Innenräumen machen und mehr oder weniger bequem durch die Räume "laufen". Dabei finde ich das System ziemlich schwerfällig und nervig. Der Betrachterstandpunkt liegt für mich irritierend hoch und auch das "Laufen" ist keineswegs vergleichbar mit meinem eigenen Laufen durch ein Museum. Der zweite Punkt, den Google Art Project bietet ist, dass man sich z.B. ein Gemälde bis in das kleinste Detail ansehen kann und Dinge sieht, die man mit bloßem Auge, nicht entdeckt hätte. Dazu sage ich nur eins: da braucht man auch schon nen tollen Computer mit ner guten Grafikkarte (gut, ich gebe zu, meiner ist schon relativ alt), um alle Details auch so scharf und unkompliziert ansehen zu können, wie das gedacht ist. Aber wer (ausgenommen vielleicht Wissenschaftler - also ein sehr kleiner Kreis) setzt sich an den Computer, um ein Mini-Detail eines Gemäldes anzusehen?

Da plädiere ich doch lieber für einen echten Museumsbesuch, in dem man die wahre Größe eines Bildes erfahren kann... Was ja auch in vielen Fällen ein Kunstwerk erst ausmacht (man denke an Barnett Newman). Außerdem finde ich es ziemlich langweilig, mir die Museumsinnenräume mühsam mit einem Cursor und Zoomer und was-weiß-ich zu erschließen. Da fahre ich lieber hin - auch wenn ich dafür erst Geld sparen muss. 

"Behind the scenes-Video" von http://www.youtube.com/googleartproject (02.01.2011).

1 Kommentar:

  1. Ich denke, Google Art Projects hat mehr Gutes als Schlechtes. Das ist allerdings eine Perspektive, die man nur haben kann, wenn man mit den Vorteilen selbst etwas anfangen kann. Die liegen nämlich meiner Meinung nach in der wissenschaftlichen Recherche. Kunsthistoriker und -wissenschaftler haben mit Google Art Projects einen Apparat an die Hand bekommen, der die vorhandenen Online-Lösungen klar übertrifft. Das bezieht sich allerdings allein auf die hoch- und höchstauflösenden Bilder, die oftmals selbst den kleinsten Riss im Firnis oder sogar einzelne Pigmenttropfen erkennen lassen.

    Mit einem Wink auf Walter Benjamin bleibt jedoch festzustellen, dass Google Art Projects für alle anderen den Besuch im Museum nicht ersetzt. Die missglückte Navigation ist da ein Grund, aber eben auch nicht der wichtigste. Kunstwerke erlebt man nun mal nach wie vor im direkten Kontakt.

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