Dienstag, 8. März 2011

Eine Ausstellung, die nie stattgefunden hat

zu: SITEmagazine, Nummer 12


Schnell war mir klar: Das ist kein übliches Kunstmagazin, in dem Ausstellungen besprochen, Künstler vorgestellt und Veranstaltungskalender veröffentlicht werden. Doch was ist es dann? Musste ich erstmal für mich klären.
Cover SITEmagazine (Ausschnitt)
Beim Durchblättern des 161 Seiten starken, dezenten Heftes fiel mir gleich ein Saalzettel mit der Überschrift "The Institute of Lost Research" samt nummeriertem Architekturgrundriss und 31 Werkangaben in die Hände. Hinweise auf eine Ausstellung. Und tatsächlich, ein Blick auf die Homepage des SITEmagazine lässt mich wissen, dass es sich um eine "Ausstellung in gedruckter Form" handelt, die erstmals im Jahr 1999 in Düsseldorf erschienen und seitdem in unregelmäßiger Folge (die letzte Ausgabe 2008) herausgegeben wird, 2010 zum zwölften Mal.
Saalzettel von "The Institute of Lost Research"
Aus den ersten Seiten von "The Institute of Lost Research" geht hervor, dass es einen Aufruf von einem Kuratorenteam zur Teilnahme an der Ausstellung gegeben hat und im Folgenden werden die auf dem Saalzettel vermerkten Arbeiten abgebildet. Die Qualität der gezeigten Werke sei mal dahingestellt (Michael Sailstorfer ist mit einer tollen Arbeit vertreten!), was wirklich anstrengend ist, sind die - naja, eben anstrengenden - Texte, die das Konzept der Ausstellung theoretisch unterfüttern bis künstlich verkomplizieren. 


Ich weiß nicht, ob sie wirklich nötig ist, so eine Ausstellung. Gehöre ich doch zu denjenigen Kunstbetrachtern, die lieber vor Ort Originale bewundern - bedenkt man vor allem, dass beispielsweise der Eintritt zur Kunsthalle Düsseldorf etwa halb so teuer ist wie das SITEmagazine.
In diesem Fall würden mich andere Meinungen interessieren...

1 Kommentar:

  1. Ohne das Magazin zu kennen, somit auch nichts über seine Absichten und Ansprüche aussagen zu können, die vielgestaltig sein können, sehe ich doch die Möglichkeit, daß es sich gar nicht um ein Magazin handeln muss, daß sich ernsthaft vorgenommen hat, Kunst auszustellen und erfahrbar zu machen. Ich bin selbst ein Verfechter des persönlichen Kontaktes mit dem Werk und finde immer wieder die Frage spannend, was verloren gehen kann, wenn man sich Kunst am Bildschirm, in einem Buch, aus einer Erzählung oder sonstwie nähert. Vielleicht ist ja das SITEmagazine als Demonstration dieses Sachverhalts gedacht? Dann müssten die Beispiele eindrucksvoll genug sein, dies zu bemerken.

    Wenn es allerdings wirklich nur das ist, was es dir scheint, nämlich ein Magazin, das Kunst "auszustellen" versucht ohne einen Bezug zu realen Ausstellungen zu haben, dann halte auch ich nicht viel davon. Wenn ich es mal irgendwo sehe, schau ich rein; danke für die Empfehlung oder wie auch immer man es nennen soll.

    AntwortenLöschen