Mittwoch, 30. März 2011

Gucken, nicht lesen

zu: "Inés Lombardi. Past present - Close and Distant" in der Secession, Wien // bis 15.05.2011

Es gibt Ausstellungen, aus denen man ästhetisch beglückt hinausläuft. Inés Lombardis Ausstellung ist so eine.
Man tritt in die Ausstellungshalle im Erdgeschoss der Secession,in der die neue Werkgruppe aus Fotografien und einer Lichtprojektion zu sehen ist. Umrahmt werden die ästhetischen Landschafts- und Architekturaufnahmen von wunderbar verschiedenfarbig bemalten Wandflächen, die harmonisch mit den Bildern in Dialog treten.

Nachdem man dann ein wenig verweilt hat, fängt man unweigerlich an zu denken: Aber, das ist doch jetzt nicht alles. Bloß schön? Das geht doch nicht. Also folgt der Gang zum Ausstellungstext, der als DIN A4-Papier vor dem Eintritt in die Halle zur Mitnahme ausliegt. Versucht man, den sperrigen Text zur Ausstellung zu lesen, merkt man schnell - das war ein Fehler. Denn der hilft nämlich nicht weiter und erklärt genau die Dinge nicht, die spannend wären und man sich als Besucher unmittelbar fragt: Hat die Künstlerin die Wandfarben selbst ausgewählt? Sind die Fotografien bearbeitet und wenn ja, wie? Wie geht sie bei ihrer Arbeit vor? Warum interessiert sie sich für Gärten eines brasilianischen Landschaftsarchitekten? In welchem Zusammenhang dazu stehen die Lichtinstallation und die aus verschiedenen grünfarbigen Quadraten bemalte Wandfläche, die zudem auch als Flyer für die Ausstellung Werbung macht? Statt dieser Fragen nachzugehen, operiert die Secession mit Begriffen wie Identität und Diversität, das Andere und das Selbst oder der Naturkonstruktion. Alle Begriffe stehen da wie Phrasen, ohne einen inhaltlichen Bezug zur Ausstellung zu entwickeln.
Klassischer Fall von: Bitte nix lesen, nur an der Schönheit erfreuen!


Beide Abb. von Wolfgang Thaler: www.secession.at/art/2011_lombardi_d.html (20.03.2011).

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