Montag, 18. April 2011

Ein Geheimtipp!

zu: "Ouyang Chun - Painting the King" im Augarten Contemporary, Wien // bis 12.06.2011

Etwas versteckt im Gelände des Augartens befindet sich eine Dependance des belvedere. Inmitten eines wunderschönen kleinen Garten, der mit Skulpturen von Kindern beschmückt ist, steht der Augarten Contemporary. Die Räume sind durch Oberlichter hell und freundlich, die Raumaufteilung großzügig. Neben dem eigentlichen Museumsbau findet sich auch noch eine Wohnung bzw. ein Atelier, in das regelmäßig Künstler eingeladen werden.
Der Künstler Ouyang Chun
So auch der chinesische Künstler Ouyang Chun, der von Januar bis März diesen Jahres Artist in Residence war. Eine Ausstellung seiner großformatigen Gemälde (und einer Skulptur) ist nun dort zu sehen. Die Gemälde erzählen Geschichten und Szenen aus dem Leben eines Königs: man findet einen "Mondpalast" und - natürlich - eine "Krone", man lernt die Frau des Königs kennen und erlebt das "Ende des Königs". Die Werke sind oftmals über und über echt 'königlich' mit Gold- oder Silberblättchen beklebt. Und es finden sich Stellen, an denen Ouyang Chun detailverliebt Muster in die Gewänder malt, wobei der Hintergrund meist großzügig und mit dicker Farbe bestrichen ist. Richtig beschreiben aber kann man die Gemälde nicht. Ouyang Chuns Gemälde sind der eindeutige Beweis dafür, dass Kunst am Schönsten und Aufregendsten ist, wenn man vor ihr steht.
Des Königs Frau, 2008

Das Ende des Königs, 2006

Ausstellungsansicht im Augarten Contemporary
Die Ausstellung fand ich also höchst unterhaltsam und wunderschön! Und trotzdem (oder besonders aus diesem Grund) hätte man sich ein wenig mehr Einsatz der Kunstvermittlung gewünscht. An den Wänden befanden sich keine Titelschildchen, so dass wir mit einem ollen Zettel bewaffnet durch die Ausstellung laufen mussten. Außerdem hätte ich so gerne erfahren, wie der Künstler seine Werke anfertigt (ein paar Fotos vom Arbeitsprozess wären hervorragend gewesen) und ob er sich inhaltlich auf die Geschichte Chinas bezieht?
Diese Fragen bleiben nun vorerst offen - der Katalog für stolze 38 Euro war uns dann einfach doch zu teuer...

Abb. (gemäß ihrer Reihenfolge): © me Collectors Room, Berlin, Foto: Achim Kleuker; © Ouyang Chun, Foto: Li Liang; © Ouyang Chun, Foto: Li Liang; © Belvedere, Wien.

1 Kommentar:

  1. Liebe Kunstgeflüster-Bloggerinnen,

    wir möchten zu dieser tollen Initiative gratulieren und freuen uns besonders, dass die Ausstellung „Ouyang Chun –Painting the King“ in Ihrem Blog behandelt wird. Wir bedanken uns für Ihre konstruktiven Anregungen.

    Die Beschriftung und Ausstellungsvermittlung wird je nach Ausstellung von den KuratorInnen individuell gestaltet. In diesem Fall war es eine bewusste Entscheidung die Kunstwerke frei stehen zu lassen, ohne Labels. So wandert der Blick nicht gleich nach links bzw. rechts, das ermöglicht eine konzentrierte Betrachtung. Das Saalblatt ist eine kuratorische Entscheidung und bietet die Möglichkeit kleine Abbildungen der Werke mit nach Hause zu nehmen, eine "Gedankenstütze", die Labels nicht bieten.

    Der Katalog gibt umfangreich Auskünfte zum Werdegang des Künstler und seiner Praxis im Allgemeinen und zur Wang-Serie im Speziellen. Es werden dort auch inhaltliche Bezüge zur Geschichte Chinas erörtert. Es liegen Exemplare des Kataloges auf, die eingesehen werden können, man muss also keinen kaufen um sich zu informieren.

    Zentrales Thema der Ausstellung ist die Behandlung des Konzepts „König“ und die Auseinandersetzung mit Aspekten wie Aufstieg und Machtstreben, Niederlage und Vergänglichkeit.
    Was seine künstlerische Technik anbelangt, knüpft Ouyang Chun speziell in dieser Serie mit der Verwendung von Blattgold und Goldfarbe an eine lang zurückliegende Tradition der chinesischen Kunst an, die Bilder sind aber nicht als traditionell zu verstehen.

    Wenn Sie noch Fragen haben können Sie sich gerne an mich wenden.

    Mit besten Grüßen,

    Véronique Aichner
    Kuratorische Assistenz Zeitgenössische Kunst

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