Mittwoch, 18. Mai 2011

Bitte mal eine Scheibe abschneiden!

zu: Instanbul Museum of Modern Art

Endlich komme ich mal dazu, meinen österlichen Istanbul-Trip Revue passieren zu lassen.
Schon mal vor ab: Istanbul ist für mich DIE Stadt schlechthin. Ich bin total begeistert von dem Flair, den Menschen, dem Essen, der Geschichte, den Shoppingmöglichkeiten, von einfach allem in der Millionen-Metropole (die Angaben zur Einwohnerzahl schwanken zwischen 10 und 15 Millionen). Und nicht zuletzt von der vielfältigen Kunstszene. Da ich in nur einem Post meine Eindrücke gar nicht zusammenfassen kann, muss ich häppchenweise vorgehen und was mir dabei als allererstes in den Sinn kommt, ist das Istanbul Museum of Modern Art, kurz: das Istanbul Modern.


Das Museum liegt direkt am Bosporus
Was mir beim Betreten des Hauses - ein Hafengebäude auf der asiatischen Seite der Stadt - als erstes auffiel, sollte sich als symptomatisch für die Istanbuler Kunstszene herausstellen: Da ist Leben drin! In dem großzügigen Foyer im Erdgeschoss sitzen Kinder auf dem Boden und malen, viele junge Frauen in roten T-Shirts stehen für Fragen in sämtlichen Sprachen zur Verfügung und erzählen begeistert von der aktuellen Ausstellung, Reinigungskräfte sind gut gelaunt damit beschäftige das Papier- und Buntstiftechaos in Grenzen zu halten. Hier findet Vermittlung statt. Ungezwungen, unbekümmert, mit Energie und Geist. Nichts zu spüren von der bedrückenden Stille, den bösen Blicken der Aufsichtskräfte und der insgesamt kühlen Atmosphäre, die man von den meisten Museumsbesuchen mitnimmt.
So übrigens ist die ganze Stadt: freundlich, jung, laut und wahnsinnig interessant.
Im Erdgeschoss ist die sehr aufschlussreiche Ausstellung "New Works, New Horizons" zu sehen, die sich der türkischer Kunst bis in die jüngste Gegenwart widmet (mit dabei z.B. die beiden Lieblingskünstlerinnen Ayşe Erkmen und İnci Eviner).
Pipilotti Rist "Herbstzeitlose"
Richtig vom Hocker gehauen aber hat mich die Schau "Paradise Lost" im Untergeschoss des Hauses. Videos von 21 hochkarätigen, internationalen Künstlern, die um den Begriff "Natur" kreisen, sind hier noch bis zum 24. Juli zu sehen. Sie Ausstellungsarchitektur ist wahnsinnig atmosphärisch und passend und jede einzelne Arbeit perfekt präsentiert. Ich bin im Grunde kein großer Videokunst-Fan und meistens fehlt mir die Geduld für eine Videoausstellung, aber "Paradise Lost" ist anders. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir die Arbeiten der wunderbaren Pipilotti Rist ("Herbstzeitlose") und die von Tony Oursler, den die meisten wohl wegen seiner Stoffpuppen kennen, auf deren Köpfe er Gesichter projiziert. In Istanbul dienen ihm für die Arbeit "Clouds" Wolken als Projektionsflächen bzw. Bildträger.
Eine für mich wirklich erstklassige, bezaubernde Ausstellung, die man  - sollte ein Istanbul-Besuch anstehen - auf keinen Fall verpassen sollte!

Abb. unten: Pipilotti Rist "Herbstzeitlose" in der Ausstellung "Paradise Lost", Istanbul Modern, von: http://images.artnet.com/artwork_images_683_172507_pipilotti-rist.jpg am 16.05.11

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