Dienstag, 23. August 2011

KIT, die zweite

zu: Führung im KIT durch die Ausstellung "Wiener Glut" // jeden Sonntag um 15:00 Uhr


Vorgestern habe ich mein VERSPRECHEN wahr gemacht und bin bei bestem Sonnenschein in die kühlen, unterirdischen Räume des KIT hinabgestiegen, um mir die Ausstellung "Wiener Glut", die sich mir bei meinem ersten Besuch ohne fremde Hilfe nicht erschloss, durch eine Führung näher bringen zu lassen.
Aber zunächst einmal: Ich war total erschlagen von der Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft des Kassen- und Aufsichtspersonals. Die waren alle furchtbar nett! (Das muss auch mal erwähnt werden.)


Die Führung war prima, da kann man nicht meckern. Die Kunsthistorikerin, die die 14-köpfige Gruppe leitete, kennt sich aus, der Rundgang war knackig, nicht langatmig (ca. 45 min.) und zu meiner Freude völlig kostenlos. Ein super Angebot, das man unbedingt wahrnehmen sollte!


Aber auch die großzügige kunsthistorische Unterfütterung von Dada, der Trennung und Wieder-Verzahnung der Künste am Beginn des letzten Jahrhunderts, die Wiener Werkstätte, das Bauhaus, De Stijl und und und ließen für mich den Funken nicht überspringen. Viele der Arbeiten sagen mir nach wie vor nichts, erscheinen beliebig und merkwürdig. Wie zum Beispiel ein Objekt "Ohne Titel". Die Künstlerin Luisa Kasalicky verwendet normierte Materialien aus dem Baumarkt und setzt sie zu Objekten zusammen:
Luisa Kasalicky "Ohne Titel" 2011
Die Frage "Was sehen Sie?" wird vor dem Kunstwerk in den Raum gestellt. Die Gruppe murmelt irgendwas von kirchlichem Kontext wegen des Kreuzes, von gepolsterten Kniebänken, wie es sie in der Kirche zum Beten gibt. Jemand schlägt Sadomaso vor, das war's. Weiter geht's!


Eine Arbeit die dagegen durch ihre Präsentation, Intensität, Wirkung und Aussage völlig stimmig ist und im wahrsten Sinne unter die Haut geht, stammt von Roberta Lima und heißt "Lights Out!".
Roberta Lima "Lights Out!" 2011
Sie präsentiert in zwei kleinen weißen Quadern je einen Film. Der Betrachter ist gezwungen ganz nah heran zu treten und kommt sich unweigerlich wie ein Voyeur vor. Man sieht, wie sich die Künstlerin mit Hilfe von Injektionsnadeln ein weißes Kleid ganz eng an ihren Körper heftet, indem sie den Stoff des Kleides und ihre Haut durchsticht. Hier geht es um das Eingeengt-Sein in eine Rolle aus der man nicht herauskommt. Und hier geht es tatsächlich um Reformbewegungen wie es sie um die vorletzte Jahrhundertwende gegeben hat, als die Frauen sich aus ihren viel zu engen Korsetts befreiten und als Zeichen eines neuen Selbstverständnisses in weiter geschnittene, so genannte "Reformkleider" schlüpften. Eine tolle Arbeit!

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