Donnerstag, 13. Oktober 2011

In Düsseldorf ist alles möglich!

zu: "Weltklasse" im Museum Kunstpalast, Düsseldorf // bis 22.01.2012


Ich hatte HIER schon angekündigt, dass ich noch mal wieder kommen muss und vorgestern war es dann so weit. Bei grauem Himmel und Nieselregen ging's in den Ehrenhof, um an einer öffentlichen, kostenlosen Führung (immer dienstags um 16 und sonntags um 14 Uhr) teilzunehmen.
Johann Peter Hasenclever: Atelierszene, 1836, Öl auf Leinwand, 72x88cm, Foto: Museum Kunstpalast
"Meine Damen und Herren, in Düsseldorf ist alles möglich!" So leitete der Besucherführer mit charmantem französischen Akzent den Rundgang durch die Ausstellung "Weltklasse - Die Düsseldorfer Malerschule 1819-1918" ein. Damit bezog er sich natürlich auf die Zeit ab 1819, als die Düsseldorfer Kunstakademie als Königliche Kunstakademie neu gegründet wurde und die Düsseldorfer Malerschule ihren Anfang nahm. Der neue, zweite Direktor der Akademie, Wilhelm von Schadow (Direktor ab 1826), sorgte für einen neuen Geist an der Kunsthochschule, der schnell auch junge internationale Künstler nach Düsseldorf zog. In der Folgezeit verwandelte sich Düsseldorf von einem Dorf mit ca. 20.000 Einwohnern und ohne irgendeine Kunsttradition zu einer blühenden Kunstmetropole, deren innovative Künstler sich organisierten und auf die gesamte westliche Kunstwelt ausstrahlten.
Denn anders als an anderen Kunstakademien - in Deutschland gab es zu der Zeit nur in Berlin und München Kunsthochschulen - konnte man hier, salopp formuliert, malen, was man wollte. Während der Kanon überall sonst streng war und es eigentlich nur sakrale, Historien-, oder Portraitmalerei gab, malte man in Düsseldorf auch triviale, lange Zeit als nicht kunstwürdig empfundene Inhalte, wie etwa Stillleben, Landschaften und Szenen aus dem täglichen Leben.
Johan Fredrik Eckersberg: Brautfahrt auf dem Hardangerfjord, 1865, Öl auf Leinwand, 112x163 cm, Foto: Nationalmuseum, Stockholm
Im Museum Kunstpalast sind alle diese Sujets in einer wirklich sehr sehr ansprechenden Kulisse zu sehen. Man kann einfach durchgehen und sich an den wunderbaren altmeisterlichen Gemälden erfreuen, die oft von weit her kommen und so schnell in Deutschland (oder Europa) nicht mehr zu sehen sein werden. Ich würde aber jedem empfehlen, an einer Führung teilzunehmen. Man erfährt interessante Hintergrundinformationen, wird an längst vergessene Fakten erinnert und bekommt einen besseren Zugang! Ein hervorragender zweibändiger Katalog beantwortet dann auch die letzte Frage zu dieser wichtigen und von mir zu Unrecht unterschätzten Strömung. Mein Fazit: Eine Ausstellung, die wirklich bereichert!

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