Mittwoch, 23. November 2011

IM SCHLAGLICHT: La buona terra - Fotografien von Mario Giacomelli erstmals in Berlin

zu: "Orte, Landschaften, Seelenzustände - Fotografien von Mario Giacomelli (1925-2000)" im Willy-Brandt-Haus, Berlin // bis 22.01.12

Wer Italien mag, muss Mario Giacomelli lieben! In seinen analogen, leicht unscharfen Schwarz/Weiß-Fotografien hält er mit gekonntem Blick die ganze Schönheit des südeuropäischen Urlaubslandes fest. Abruzzen mit dem malerischen Örtchen Scanno, seine Heimatstadt Ancona und deren Nachbarstädtchen Senigallia: Giacomelli trägt viel Leidenschaft und Poesie für sein Italien im Herzen, und das kann man nicht zuletzt in „La buona terra“, der quasi autobiographischen Serie über die Menschen und ihre Arbeit in seiner Heimat, spüren. Kurze Gedichtverse begleiten einige Fotos, die der in seinem Heimatland hoch geschätzte, im Jahr 2000 verstorbene Giacomelli in Serien angeordnet hat.
Mario Giacomelli: aus der Serie "La buona terra", 1964-1974 © Simone Giacomelli
Besonders in mein Herz geschlossen habe ich eine Bilderreihe über junge Priester von 1961, deren Gewandt-Silhouetten beinahe wie gemalt auf dem weißen Hintergrund erscheinen. Ein Bildband, der zu Recht in die Fotogeschichte eingegangen ist.
Mario Giacomelli: aus der Priesterserie, 1961-1963 © Simone Giacomelli
Mario Giacomelli: aus der Priesterserie, 1961-1963; © Simone Giacomelli
Aber auch Melacholie schwingt mit in seinem Blick. Er sei von Natur aus ein trauriger Mensch, verkündet Giacomelli in seiner Kurzbiographie. Vielleicht setzt er sich auch deshalb ganz explizit mit dem Vergänglichen auseinander, indem er die Seelenzustände greiser Senigallier im Hospiz unspektakulär authentisch einfängt.
Eine weise Entscheidung des Willy-Brandt-Hauses in Kreuzberg, Bilder von einem der bedeutendsten Fotografen des 20. Jahrhunderts, die u.a. auch schon im MoMA zu bestaunen waren, erstmalig nach Berlin zu holen. Wer sich nicht satt sehen kann an Fotos, für den hält das Willy-Brandt-Haus im Stockwerk drüber noch das Lebenswerk aus sieben Jahrzehnten vom Berliner Jürgen Schadeberg bereit; auch außerordentlich sehenswert!

Abb. oben und unten von: http://www.mariogiacomelli.it/ am am 20.11.11

Kommentare:

  1. Ach, da werden Erinnerungen wach, ich wuchs in einem eher kunstfeindlichen Elternhaus auf, aber ein Nachbar hatte damals die Westermanns Monatshefte abnonniert. Was für sich gesehen schon eine Sensation darstellt, denn der Schauplatz ist immerhin ein kleines Hunsrückdorf in den Sechszigern des vorgegangenen Jahrhunderts.
    Gelegentlich durfe ich mir ein paar der Hefte ausleihen!Für mich damals wohl eines der wenigen, äußerst seltenen Fenster zur WElt. Die Fotographien des obigen Künstlers, nicht sein Name, den habe ich vergessen, aber die Bilder habe ich jetzt sofort wiedererkannt. Diese Bilder und noch andere, ich kann mich an eine Serie von Venedig-Fotografien erinnern, katapuliterten mich damals für Wochen in eine Traumwelt. Irgendwann, als der Nachbar sich scheiden ließ und den Hausstand verkleinerte, durfte ich mir zwei große Kartons voll mit diesen Heften nach Hause schleppen! Ein Festtag!
    Dreißig oder vierzig dieser Hefte hab ich heute noch. Besonders die aus den Fünfzigern, die mit den ganz schlechten Farbreproduktionen, voller Fehlfarben - aus heutiger Sicht - sind eine wahre Offenbarung. Zauberei pur.
    WB

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