Samstag, 26. November 2011

Kein "roter Faden"

zu: Eröffnungsausstellung „Schöne Aussichten!“im 21er Haus, Wien  // bis 08.01.2012   

Vor dem Haus, auf dem Haus, hinter dem Haus und im Haus hängen und liegen wie zufällig knallrote Filzstoffbahnen. Kreuz und quer baumeln sie von der Decke herab, berühren hier und da den Boden. Sie sind scheinbar ohne Funktion – und doch erinnern sie an einen roten Teppich oder auch an ein opulentes Geschenkband. So schön die Arbeit von Marcus Geiger den feierlichen Anlass der Neueröffnung assoziert und gleichzeitig innen und außen, das untere mit dem oberen Geschoss verknüpft, so schwer fiel es mir insgesamt einen "roten Faden" zu erkennen.

Das Informationsblatt erklärt großspurig, alle gezeigten Künstler seien auserwählt worden, um sich allgemein mit der Bedeutung des Museums auseinanderzusetzen und/oder sich mit der Geschichte (das 21er Hause hatte als EXPO-Pavillon in Brüssel 1958 ursprünglich die Aufgabe, Österreich zu repräsentieren) und dem Gebäude selbst zu beschäftigen. Ich habe die Probe gemacht und musste feststellen, dass ein Zusammenhang oft sehr weit hergeholt ist.

Nichtsdestotrotz sind einige sehenswerte Werke dabei. Eine schöne Arbeit begrüßt den Besucher beispielsweise unmittelbar am Eingang: in Andrea Frasers „Gallery Talk“ führt die Künstlerin selbst auf ironische Art den Zuschauer durch das Philadelphia Museum of Art. Das ist Hinterfragung der Bedeutung des Museums par excellence. In diesem Zusammenhang sind auch die Künstlerinterviews des museum in progress und Peter Kogler interessant. Dort werden unter anderem Andrea Fraser und Franz West, Oswald Oberhuber und Heimo Zobernig interviewt, die auch alle mit Arbeiten in der Ausstellung vertreten sind. Also eine Arbeit mit didaktischer bzw. vermittelnder Funktion.
Ich wundere mich nicht, dass die Presse nach der Eröffnung das Catering und die italienischen Häppchen lobte, die Kunst dabei aber komplett unterging. Es sind ein paar nette Einzelwerke dabei,  um sich aber als Ausstellungsbetrieb für zeitgenössische Kunst zu etablieren, muss das 21er Haus (als Dependance des belvedere) noch ein Schüppchen drauflegen. Und beim Museumsshop sollte man gleich anfangen – da sind doch die Bücher tatsächlich nach Farben und nicht nach Themen oder Autoren sortiert!

Kommentare:

  1. Es ist etwas kurios - nach einem roten FADEN zu suchen - wenn alles voller roter BÄNDER hängt.
    Die Sache steht für sich und ist gut so.
    Nur als Gedankenspiel, ist keine Kritik an der Kritik.
    Danke für Euren interessanten Blog.
    Herzlich
    WB

    AntwortenLöschen
  2. Was ist denn mit den weißen Lichtschleifen an der Decke? Ist das Teil der Einrichtung oder Teil der Installation? Weiß und Rot? Sind das nicht die Farben von Österreich?
    Hab die Schleifen eben erst entdeckt.
    WB

    AntwortenLöschen
  3. Die weißen "Lichtschleifen" an der Decke sind eine Installation von Lucio Fontana und gehören auch zur Ausstellung. Und ganz sicher wird hier von den Kuratoren auch mit den Farben gespielt - schließlich verweist der Museumstext bei Marcus Geigers Arbeit auch darauf, dass das Rot der Filzbänder auf die Farbe des Belvederes (Museum, zu dem das 21er Haus gehört) zurückgeht.
    Danke für die Hinweise!
    Herzliche Grüße
    Lena

    AntwortenLöschen