Montag, 14. November 2011

Neue Kunst für das Ruhrgebiet

zu: neue Landmarke "Tiger & Turtle - Magic Mountain" in Duisburg eröffnet // am 12.11.11

Halden sind aufgeschüttete Hügel, die aus dem wertlosen Material bestehen, das beim Abbau von zum Beispiel Kohle anfällt. Man kann sich vorstellen, dass es von diesen künstlichen Höhenzügen im Ruhrgebiet eine ganze Menge gibt. Im Zuge des oft beschworenen Strukturwandels der Region wurden viele dieser Halden neu gestaltet, begrünt und zum Teil mit Kunstwerken versehen, um Freizeits- und Erholungsplätze für die Anwohner zu schaffen und dem Ruhrgebiet ein neues, attraktives Gesicht zu verleihen. Die Halden wurden zu so genannten Landmarken. Am prominentesten sind wohl der Tetraeder auf der Bottroper Halde Beckstraße, die Bramme von Richard Serra auf der Schurenbachhalde in Essen und die Grubenlampe von Otto Piene in Moers auf der Halde Rheinpreußen.
Dr. Peter Greulich (Stadtdirektor), Adolf Sauerland (Oberbürgermeister) und Karl Janssen (Kulturdezernent) (v.l.) schalten gemeinsam Strom ein.
Und seit Vorgestern ist das Ruhrgebiet um eine Landmarke reicher: Auf der Heinrich-Hildebrand-Höhe im Duisburger Süden wurde "Tiger & Turtle - Magic Mountain" offiziell eröffnet. Bei der Veranstaltung hat man sich nicht lumpen lassen und ein gemütliches Ambiente am Fuße der Halde mit kostenlosem Sekt, Musik und wirklich tollem Feuerwerk gesorgt. Die unsichere Rede von Oberbürgermeister Sauerland wurde von dem zweiten und viel souveränerem Redner, Fritz Pleitgen (Geschäftsführung RUHR.2010) wieder gut gemacht und schließlich betätigte man gemeinschaftlich den Buzzer, um das Kunstwerk von Heike Mutter und Ulrich Genth zu illuminieren.
Die 18 Meter hohe, begehbare Skulptur "Tiger & Turtle" erinnert an eine Achterbahn, als Symbol für turbulente Geschwindigkeiten, spektakuläres Vergnügen und aufregenden Nervenkitzel. Die Duisburger Achterbahn ist aber - aus der Nähe betrachtet - eher der Langsamkeit und der Entschleunigung gewidmet, denn wenn man zu Fuß die unterschiedlich steilen Treppen erklimmt, kann von Geschwindigkeit keine Rede sein. Beides, sowohl Be- als auch Entschleunigung, sind Stichworte, die zum Ruhrgebiet passen und für die auch die beiden namensgebenden Tiere stehen: Der dynamische, temperamentvolle Tiger auf der einen und die lahme, in sich zurückgezogene Schildkröte auf der anderen Seite.
Eine vielleicht etwas schlichte Idee, aber zumindest eine, die jeder versteht. Denn das sei bei der neu eingerichteten Landmarke besonders wichtig, sagt Karl Janssen, Kulturdezernent von Duisburg. Er erhoffe sich durch die unkomplizierte, ortsbezogene, leicht zu erreichende, sogar begeh- und damit direkt erfahrbare Kunst im öffentlichen Raum einen Abbau von Schwellenängsten im Bereich Kunst.
Na, wenn das funktioniert, werden sich die drei hervorragenden Kunstmuseen in Duisburg wohl bald vor neuen Besuchern nicht mehr retten können!

Einen umfangreichen Bericht zu "Tiger & Turtle" mit vielen tollen Fotos gibt es HIER!

Kommentare:

  1. Super Bericht! Das werde ich mir selbst ansehen. Weißt du zufällig, wer das Werk in Auftrag gegeben hat?

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  2. Hallo Karl, schön, dass Dir der Bericht gefällt!
    Soweit ich weiß ist das Kulturhauptstadtbüro Duisburg 2010 (Leitung Dr. Söke Dinkla) zuständig. "Tiger & Turtle" wurde als Weiterentwicklung des "Angerpark" durch das Land NRW und die EU im Rahmen des Ökologieprogramms im Emscher-Lippe-Raum gefördert und aus Landesmitteln der RUHR.2010 mit Unterstützung privater Förderer finanziert.

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