Donnerstag, 1. Dezember 2011

Endlich: Prag!

zu: Ausstellungen des Artbanka Museum of Young Art (MoYA), Prag

Bevor die Geheimtipps ausgepackt werden, kümmere ich mich zunächst mal um die Kunstausstellungsflächen, die sich nicht nur einem Einheimischen, sondern vor allem dem Touristen regelrecht in den Weg 'schmeißen'.
Das Artbanka Museum of Young Art ist ein solches Beispiel. Prominenter geht es eigentlich schon nicht mehr: Das "einzige auf junge Kunst spezialisierte Museum in Prag" (Pressetext des Museums) öffnete im Juni 2011 seine Toren auf der Karlová Straße, die auf die berühmte Karlsbrücke führt und tagein, tagaus von Touristenmassen durchlaufen wird.

Durch ein Tor wird man schnell in den Innenhof gezogen. Dort sind nämlich vier "Guns" von dem bekannten (bekanntesten?) tschechischen Künstler David Cerny installiert. In das Gebäude selbst schaffen es dann nur wenige der Touristen und lange hält man es dort auch nicht aus - in dem Barockpalais ist es bitterkalt, in keinem Raum eine Heizung. Wenigstens die Aufseher können sich über einem elektrischen Heizstrahler wärmen.
David Cerny "Guns", 1994
Die große Ausstellungsfläche kann über drei Eingänge erreicht werden und bietet dann auf mehreren Etagen Einblicke in die "junge Kunst" Tschechiens. Dabei bespielen alle (?) Kunstschulen Tschechiens und der Slowakei jeweils einen Raum, gleichzeitig werden Neuerwerbungen der Artbanka ausgestellt, Graffitti und Street-Art, kuratierte Ausstellungen und permanente Installationen wie David Cernys "Guns" oder "Shark" (momentan allerdings nicht) gezeigt.
Vladimir Skrepl "Live your life", 2011
Die Präsentation erinnert ein wenig an Kunstakademie-Rundgänge. Alles wirkt etwas improvisiert und vieles wird vom drumherum regelrecht verschluckt. Das wiederum ist aber auch der Reiz an der Sache. Ein paar Mal habe ich mich ehrlich erschreckt, weil hinter der nächsten Ecke ein Kunstwerk 'lauerte'. Für schwache Nerven ist die präsentierte Kunst definitiv nichts. Verstörende Themen wie Selbstmorde werden angesprochen, es gibt von Spaten und Harke erstochene Zwerge und massenweise sexuelle Anspielungen (das ist untertrieben). Auch Hakenkreuze und Hitler gehören zu den verstörenden Themen, die die junge tschechische Kunstszene beschäftigen.

Ein Highlight des Museums (neben David Cernys Arbeiten) ist sicher "Jesus Christ. Superstar(t)" von Kamera Skura. Ein turnender Christus an zwei Ringen, der als tschechischer Beitrag bei der Venedig Biennale 2003 für Aufsehen sorgte. Im MoYA großartig präsentiert, in schwindelerregender Höhe im dreistöckigen Treppenhaus.

Kamera Skura "Jesus Christ. Superstar(t)", 2003

An wärmeren Tagen und auf der Suche nach einem anderen Kunsterlebnis (abseits vom white cube und Schickimicki-Museumsräumen in tannengrün) ist ein Besuch unbedingt zu empfehlen. Im MoYA trifft man auf eine geballte Ladung tschechischer Kunst, auf unprätentiöse Weise präsentiert.

Kommentare:

  1. Prag ist einfach toll und immer wieder eine Reise wert! Ich entdecke dort jedesmal Neues! :D

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  2. Der Christus an den Ringen ist sehr gut, ich nehme kaum noch an den aktuellen Kunstereignissen teil, von daher kannte ich ihn nicht, und er konnte er jetzt bei mir seine Wirkung tun!
    1990 hatte ich selber eine Ausstellung in Prag, mit Aquarellen in irgend einem noch exisiterenden staatlichen Kulturhaus, in einem Prager Stadtteil, ganz am Rand. Damals glaubte man noch bei einem Prager Besuch in eine Story von Kafka geraten zu sein; zu der Ausstellung meiner Bilder kamen zwanzig Leute, das waren die Freundinnen der Klavierspielerin.

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  3. Da es sich um Prag handelt, die Fotos mit den Rauminstallationen erinnerten an Svankmajer.
    Ist Jan Svankmajer dem Kunstgeflüster bekannt? Oder in einer etwas moderneren Variante die Quay Brothers, for example?
    Danke für den Beitrag und herzlichen Gruß!
    WB

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  4. Lieber Walter,
    nein noch nicht bekannt. Wird sich aber schnell ändern :). Danke für den Hinweis!
    Viele Grüße zurück
    Lena

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