Sonntag, 18. Dezember 2011

IM SCHLAGLICHT: Glamour trifft Grenzerfahrungen. Extreme der Fotografie bei C/O Berlin

zu: "Ron Galella. Paparazzo Extraordinaire" und "Gundula Schulze Eldowy. Die frühen Jahre" bei C/O Berlin // bis 26.02.12


Das C/O Berlin (derzeit noch) im alten Postfuhramt im Stadtteil Mitte begründet seit Mitte Dezember mit zwei parallelen Fotoausstellungen wieder einmal seine Leitmotive „Initiative und Flexibilität“. Kontrastreicher könnten die beiden Kunstschaffenden und ihre Werke wohl kaum sein: Ron Galella hat als Paparazzo der ersten Riege die Schönen und Reichen bei Skandal und Intimität abgelichtet; Gundula Schulze Eldowys Fotografien fangen ostdeutsche Tristesse und Dramatik des Alltäglichen in fast schon schmerzhafter Authentizität ein.

Ron Galella: January 16, 1983 Los Angeles, CA . Mick Jagger and Jerry Hall attending an opening luncheon at Mizuno Gallery

Was dem Einen das gewagte Spiel mit dem Feuer der Eitelkeiten der Stars und Sternchen ist – in der Hoffnung auf Ruhm und auf ein Stück vom Kuchen der glamourösen „Hochkultur“ – ist der Anderen der Versuch, einer schnelllebigen Großstadt wie Berlin ein bisschen Anonymität zu nehmen, indem sie mithilfe ihrer ehrlichen Abbilder Subkulturen, Flüchtlingsdasein und Grenzerfahrungen wie Geburt, Alter und Zerrüttung in einen ganz eigenen Zauber hüllt.
Ron Galella: Andy Warhol at the 1985 Annual Council of Fashion Designers of America Awards Dinner at the Metropolitan Museum of Art
Der erste große und trotz natürlich vieler Feinde auch geschätzte amerikanische Fotojournalist Galella hat durch Penetranz und Durchhaltevermögen den Voyeurismus salonfähig gemacht und daraus einen Kreislauf des Gebens und Nehmens in Gang gesetzt: Reziprokes Sehen und Gesehen-werden nach allen Gesetzen oder Un-Gesetzen der Ästhetik. Ein Mick Jagger fürchtete die Enttarnung, Warhol und Dalì hingegen wussten Galellas Close-Ups für sich zu nutzen. Großer Bonus der Ausstellung: Persönliche Erläuterungen zu den Bildern!
Gundula Schulze Eldowy: aus der Serie: „Berlin in einer Hundenacht“, Margarete Dietrich, Berlin, 1979
Vollkommen ohne Enthüllungsgedanken, dafür ausgestattet mit einer Portion Neugier aufs Leben in all seinen Facetten hat sich Schulze Eldowy fototechnisch ins wortwörtlich nackte und unprätentiöse Ostdeutschland gestürzt. Die Serien „Berlin in einer Hundenacht“ und „Der große und der kleine Schritt“ gleichen rituellen Spaziergängen durch unterschiedlichste Kulturen und Diskurse ihrer Zeit. Die Nähe, die dadurch entstanden ist, lässt sich in jedem einzelnen Foto nachfühlen. Ein bisschen schade, dass die einzelnen Bilder nicht genauer betitelt sind.
Gundula Schulze Eldowy:  aus der Serie "Der große und der kleine Schritt", Berlin, 1987
Auf diesen nationalen und internationalen Pfaden der Fotografie lässt sich noch bis zum 26. Februar bei C/O Berlin, Oranienburger Straße 35 wandeln!

Abbildungen von: http://www.co-berlin.info/ am 18.12.11

Kommentare:

  1. Der kleine Engel auf dem Dach ist natürlich wunderschön; vor allem auch, weil er ganz anders angezogen ist - Gott sei Dank - als H. U. Obrist.

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  2. Das klingt nach einer tollen Ausstellung!

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