Sonntag, 11. Dezember 2011

Reden über Kunst mit Hans Ulrich Obrist

zur Gesprächsreihe "Reden über Kunst" im Goethe-Institut, Prag // mit Hans Ulrich Obrist am 08.12.2011

Geredet wurde viel. Sehr viel. Auch über Kunst. Vor allem war es ein Monolog. Oder nennen wir es einen Vortrag von Hans Ulrich Obrist über sein Leben, die Rolle des Kurators und Künstler.

Aber von vorn: Am Donnerstag Abend fand sich eine enorme 'Pilgerschar' im Vortragssaal des Goethe-Instituts ein, um Hans Ulrich Obrist im Gespräch mit Noemi Smolik zu erleben. Mit reichlich Verspätung und in einem überfüllten Saal ging es dann los. Wie Kunsthistoriker so sind (da spreche ich aus Erfahrung!) hatte Herr Obrist reichlich Bildmaterial vorbereitet - gefühlte 200 Bilder in Form einer Power Point-Präsentation. Kaum hatte Smolik die erste Frage gestellt ("Wie kamst du eigentlich zur Kunst?") war Obrist kaum mehr zu halten. Er kam vom Hölzchen aufs Stöckchen und Noemi Smolik in den nächsten anderthalb Stunden kaum zu Wort. Ein Wust an Informationen, Künstlernamen, Kuratoren wurde uns im rasendem Tempo um die Ohren gehauen. Dazu immer wieder der Schnelldurchlauf durch die Präsentation, um noch das eine oder andere Beispiel zu zeigen.
Obrist bei einem Poetry Marathon in der Serpentine Gallery, London
Ich muss sagen, danach war ich reichlich fertig. Ob es an Obrists Sprechtempo lag, an der stickigen Luft des überfüllten Raumes oder an einem extrem laut gestellten Kopfhörer eines Zuschauers, der während des Abends den Simultanübersetzer (Deutsch - Tschechisch) nutzte - ich weiß es nicht. Was ich noch weiß ist, dass die Gesprächsleiterin Noemi Smolik hätte wissen müssen, dass Obrist sich in Interviews 'so' verhält und dementsprechend gewappnet sein und vielmehr das Gespräch hätte leiten müssen. Ich bin mir sicher, dass viele der Zuschauer nur wenige der genannten Künstler/Kuratoren kannte, geschweige denn Näheres über sie wussten. So ist sicher vieles von dem, was Obrist angeschnitten hat, nicht angekommen. 

Deutlich geworden ist trotz allem, dass Obrist ein wahnsinnig guter Kenner der zeitgenössischen Kunstszene ist, sich tagtäglich mit Kunst konfrontiert (manchmal gar bis zur Unmöglichkeit, etwa wenn Künstler in einer Ausstellung in seinem Hotelzimmer das Bett mit toten ausgestopften Tieren versehen und er dann trotzdem noch darin schlafen muss) und ständig das Gespräch mit Künstlern sucht. Beeindruckend seine bisherigen Projekte und Ideen. Deutlich geworden ist auch, dass es ihm nicht darum geht, Kunst dem Publikum näher zu bringen. Er sieht sich vielmehr als Vermittler und Organisator von Künstlerinteressen. An diesem Abend war dies aber vor allem das Problem. Denn hier ging es darum, Kunst dem Publikum näher zu bringen. Vielleicht auch mal was zu erklären und zwar nicht in Form eines Expertentalks, sondern im Gegenteil, als Gespräch, an dem alle teilhaben können.
Vielleicht das nächste Mal...

Abb. von: http://www.serpentinegallery.org/2009/10/poetry_marathonsaturday_and_su.html

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