Dienstag, 6. Dezember 2011

Zum Träumen

Zu: Jan Hísek "Noční jezdec / Night Riders" in der Galerie Rudolfinum, Prag // bis 26.2.2012

Im Rudolfinum – der vielleicht besten Adresse für zeitgenössische Kunst in Prag – wurde letzte Woche eine Ausstellung eröffnet, die man nur schwerlich beschreiben kann. Hingehen und hinschauen ist gefragt. Denn Jan Híseks Ölmalereien muss man entdecken und absuchen, von Nahem und von Weitem ansehen. Ich hätte stundenlang verweilen können und wäre immer wieder von neuen Details überrascht worden.
Jan Hísek ist den Tschechen vor allem als Illustrator und Graphiker bekannt – seine Ölbilder (alle noch in Besitz des Künstlers), also das eher unbekannte Werk, werden zur Zeit im Rudolfinum ausgestellt. Manchmal konnte ich es kaum fassen, dass es sich tatsächlich um Öl auf Leinwand handelt, denn die Bilder sind vielfach filigran und detailreich wie Zeichnungen. Ein wenig Eingewöhnungszeit braucht das Auge, um den Bildern etwas abzugewinnen. Dann entdeckt man Verwandtschaften zwischen Mustern und Formen. Die Titel wie "Bär", "Spinne", "Vampir" oder "Waldgeist" sind dabei aber keine wirklichen Hilfen. Es geht vielmehr um Traumwelten, die schöne und die böse Welt, Flora und Fauna. Und das mit rhythmischem Schwung - die organischen Formen, die sich in allen Gemälden wiederfinden, scheinen sich unentwegt hin und her zu bewegen wie Korallen im Meer.
links: "Námorník" (Matrose), 2004; rechts: "Plamínek" (Kleine Flamme), 2005
Detail von "Plamínek" (Kleine Flamme), 2005
bei der gekonnten Einbindung der Signatur spricht eindeutig der Graphiker aus dem Künstler
Jan Híseks Bilder sind eine Entdeckung! Der Direktor (und Kurator der Ausstellung) Petr Nedoma hat immer wieder ein Händchen dafür, ungewöhnliche und unbekannte tschechische Künstler aufzuspüren. Wer hätte gedacht, dass man im 21. Jahrhundert noch auf einen Künstler treffen kann, der so gar nicht in das Schema der derzeitigen Kunstproduktion passt. Mutig, einen solchen Künstler im großen Stil zu präsentieren!
Ausstellungsansicht
Eine kleine Kritik am Ende hätte ich aber dennoch. Mich, als diejenige, die den Künstler vorher nicht kannte, hätten die Illustrationen und Mezzotintos, d.h. die "bekannteren" Arbeiten von Hísek brennend interessiert. Warum nicht ein, zwei als Vergleich zeigen? So hätte man sich ein besseres Bild von Híseks Schaffen machen können!

Kommentare:

  1. Ihre Begeisterung für die farbigen Arbeiten ist nachvollziehber, kann ich teilen, diese Bilder bewegen sich sogar in die Richtung meiner privaten Vorlieben. Bei den Schwarz-Weiß-Arbeiten bin ich mir im Zweifel, hier sieht es aus, daß 'nur' eine graphische Technik auf Tafelbildformat und einen neuen Bildträger (Leinwand) übertragen wurde, das ist zu wenig, Malerei ist dann doch noch mal was anderes. (Auch wenn sie in der Graphik ihren Ursprung haben mag.) Vielleicht ist die Wirkung im Original eine andre, möglich. Wenn man vor den Bildern steht. Ich will nicht als Meckerer auftreten, nein, schön Ihr Engagemant in diesen Sachen zu sehen, zu lesen!
    Gruß
    WB

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  2. Interessante Bilder. Insbesondere ist die kleine Flamme ganz nach meinem Geschmack.

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