Samstag, 14. Januar 2012

IM SCHLAGLICHT: Begehbarer Datenschutz und Berlin in Schwarz/Weiß

Zu: "J. Mayer H. - RAPPORT. Experimentelle Raumstrukturen" / bis 09.04.2012 und "Friedrich Seidenstücker" / bis 06.02.2012 in der Berlinischen Galerie, Berlin

In der Berlinischen Galerie, dem Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur, gibt es derzeit mächtig viel von Berlinern und über Berlin. Die Besucher allerdings strömen wie gewohnt auch von weit außerhalb Berlins in die Kreuzberger Kulturinstitution.
Das Architekturbüro J. MAYER H. hat den Eingangsbereich mit der architektonischen Teppichkunst „Rapport: Experimentelle Raumstrukturen“ versehen: In schwarz-grauer Musteroptik werden die ursprünglich zweidimensionalen Grafiken aus der Datensicherheit – wie sie z.B. in amtlichen Briefumschlägen oder als Passwort-Schutz auftauchen – in den Raum übertragen, über Boden und die 10 Meter hohen Wände rankt sich in ungleichmäßiger Anordnung dieser riesige Teppich. Den Künstlern gelingt es so, die Raumstrukturen in Relation zur Kommunikationstechnik zu setzen. Fast ehrfürchtig und fasziniert bewegt man sich auf dem weichen Untergrund und versucht, Regelmäßigkeiten zu erkennen. Ein Begleitfilm dokumentiert ähnliche Arbeiten des Architekturbüros. Ein absolutes tolles Erlebnis! Eine Kunst, die zeigt, wie der Raum neu gedacht und inszeniert werden kann; hätte ich auch gerne in meinem Zuhause. Zu sehen noch bis Mitte April.
Eine weitere Sonderausstellung zeigt (noch bis Februar) Fotografien der Berliner 20er- bis 40er-Jahre von Friedrich Seidenstücker. Die stark gehypte Ausstellung umfasst Schwarz/Weiß-Fotos in unterschiedlichen Formaten, die sich fast ausschließlich mit Motiven auf Stadtspaziergängen oder mit den täglichen Zoo-Besuchen des Fotografen beschäftigen. Bestürzend sind jene Bilder, die den Zoo nach den Bombenangriffen zeigen, und unterhaltsam vor allem die, die sich an einer Persiflage der menschlichen Zoobesucher versuchen, die in Seidenstückers Augen den Tieren stets ähneln. Die vergrößerten Fotografien vom Ku’damm oder von herumtollenden Mädchen sind bereits von Werbeplakaten bekannt, die kleineren schaffen es mitunter leider nicht, das Besondere einzufangen. Für mich ist die Abfolge der zu vielen kleinen Fotos banal und redundant, aber vermutlich ist es für uns in der Bilderflut heute einfach auch schwierig, die Bedeutung für die damalige Zeit zu verstehen. Nett war es trotzdem, die Moden von damals und Berlins Straßenzüge der Weimarer Zeit zu betrachten.

Abbildungen:
J. MAYER H.: Rapport, © J. MAYER H., Fotograf: Ludger Paffrath, Berlin und von http://www.berlinischegalerie.de/ausstellungen/aktuell/friedrich-seidenstuecker.html (14.01.2012)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen