Mittwoch, 29. Februar 2012

Alte Bekannte

zu: Thomas Schüttes "Große Geister" in Essen


Vergangenen Juni hatte Lena uns HIER schon die vier "Großen Geister" des Düsseldorfer Künstlers Thomas Schütte in der Wiener Innenstadt vorgestellt. Durch Zufall habe ich jetzt in Essen auch drei Exemplare unter freiem Himmel entdeckt. Ein Grund, den Geistern mal ein wenig genauer nachzuspüren.
Auch bei den Essener Geistern handelt es sich um Bronzeexemplare. Das ist deshalb erwähnenswert, weil der Künstler die "Großen Geister" erst in Aluminium und später dann auch in Bronze und Stahl gießen lässt. Zunächst aber entstehen kleine, etwa 45 Zentimeter hohe Modelle, die Thomas Schütte aus Wachsschnüren dreht und knotet bis sie die gewünschte Form aufweisen. Dann taucht der Künstler diese 'Rohlinge' in flüssiges Wachs und lässt sie - nach dem Aushärten - zunächst als "Kleine Geister" in Kunststoff und Aluminium realisieren. Zwischen 1996 und 2000 entstehen dann 20 unterschiedliche - von den kleinen Geistern ausgehende - circa 2,5 Meter hohe "Große Geister" in Aluminium, Bronze und Stahl.
Die charakteristische, durch den Entstehungsprozess und das Ausgangsmaterial begründete Form überträgt sich somit auf die Großplastiken und  verleiht ihnen eine spezielle 'Aura': Obwohl sie überlebensgroß sind, unberechenbar erscheinen und offenbar nicht von dieser Welt stammen, sind sie nicht furchteinflößend. Sie stehen unsicher, winden sich, gestikulieren stark und balancieren ihre amorphen Körper. Dadurch wirken sie unbeholfen, ratlos, fast komisch, als seien sie in eine Welt entlassen, in der sie sich nicht mitteilen können und unserer Hilfe bedürfen.
So stehen die Essener Exemplare - Dauerleihgaben des Essener Sammlers Thomas Olbricht übrigens - hilf- und ratlos, wie momenthaft eingefroren im Außenbereich der Philharmonie und überblicken das rege Treiben der spazierenden, joggenden und ball-spielenden Menschen im Stadtgarten - ein skurriles, ja berührendes Bild!

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