Sonntag, 12. Februar 2012

Ein Herz für Václav Havel

zu: Aktion "Ein Herz für Václav Havel" des tschechischen Künstlers Lukas Gavlovsky vor dem Prager Nationaltheater // bis April 2012

Tschechien trauert um Václav Havel, den ersten Präsident der Tschecheslowakei, den Schriftsteller, den Revolutionär. Am 18. Dezember 2011 ist er im Alter von 75 Jahren gestorben. In den folgenden Tagen brannten zu seinen Ehren unzählige Kerzen auf dem Wenzelsplatz in Prag und anderen Städten.
Der tschechische Künstler Lukas Gavlovsky wollte es nicht darauf beruhen lassen. Ein Denkmal musste her. Er ließ deshalb (gemeinsam mit Roman Svejda und vielen Freiwilligen) hunderte Kerzenstummel einsammeln, einschmelzen und als große begehbare Herzskulptur gießen. Das Herz als Erinnerung an Friede, Liebe, Hoffnung. Etwas kitschig mag man denken, aber das Herz stellt einen direkten Bezug zu Václav Havel her: er hatte seiner Unterschrift oft ein Herz beigefügt.
Ankündigung zur Eröffnung des "Herzes für Václav Havel"
Am Freitag wurde das Kunstwerk auf dem Platz vor dem Nationaltheater in Prag eröffnet. Schon der Aufbau wurde von vielen Fotohandys, Kameras und Schaulustigen begleitet. Und auch als ich mir am Samstag morgen das fertige Herz anschaute, hatten sich trotz eisiger Kälte viele Besucher eingefunden und knipsten, was das Zeug hält.
beim Aufbau
Die "Herz-Skulptur" ist begehbar, wenn auch sehr klein und eng, und strahlt in leichtem Rosa. In den einzelnen Wachsblöcken, die zu dem Herz zusammengesetzt wurden, entdeckt man bei längerem Hinsehen Herzen, verschiedenfarbige Kerzen und runde Metallplatten, die an die ehemaligen einzelnen Trauerkerzen erinnern.
beim Aufbau
Das Herz, sozusagen ein Gemeinschaftsprojekt von vielen Trauernden und einem Künstler, ist eine berührende Geste. Leider wird die Wachsskulptur wohl nur einige Monate halten, dann wird sie schmilzen. Bis dahin wird es hoffentlich schon Pläne für ein dauerhaftes Denkmal für DIE Identifikationsfigur der Tschechen geben.
das "Herz" und ein fotografierender Besucher

1 Kommentar:

  1. Diese Metallteile im Wachs nehmen dem Material etwas von seinem Weichen, Organischen, das wirkt auf mich etwas befremdlich, die Grundform finde ich sehr schön, auch wie das Herz in Beihaltung der Grundform zur Architektur, also begehbar wird, gefällt mir. Fraglich finde ich auch das Podest, das Material einfach auf der Straße stehend hätte etwas rohes, gefährdetes, auch etwas schutzloses, was mir der Sache angemessener erschien.
    (In Erinnerung kamen mir die Wachsgeschichten von Beuys, die Wochen brauchten bis sie abgekühlt waren ... das auch noch mal als Metapher der besonderen Art. Ich sage das diesem Sachverhalt wegen, nicht wegen dem Vergleich zu obigem Objekt.)

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