Mittwoch, 22. Februar 2012

IM SCHLAGLICHT: Das Problem der Übersetzung

zu: “Found in Translation“ in der Deutschen Guggenheim // bis 09.04.2012


Eine Nachricht hat der Berliner Kulturlandschaft in den letzten Wochen wohl am Meisten zu schaffen gemacht: Die Deutsche Guggenheim wird Ende des Jahres schließen. Gemauschelt wird, dass die Kulturinstitution mit dem attraktiven Standort Unter den Linden einer Expansion seiner Initiatoren-Mutter, der Deutschen Bank, weichen muss.
Keren Cytter: Something Happened, 2007 © Keren Cytter
Ein Grund mehr, noch einmal Flagge zu zeigen und sich die derzeitige hervorragende Ausstellung “Found in Translation“ noch bis April anzuschauen. Natürlich in Analogie zur Thematik Lost in Translation – auch dank des Coppola-Films mit Hanks und Johansson salonfähig gemacht – stellt die Guggenheim Foundation Arbeiten von neun Künstlern aus, die sich mit dem Modell der Übersetzung beschäftigen. Ich habe versucht, meinen Favoriten zu küren, um hier über ihn berichten zu können; aber vor lauter gewaltigen Bilder-Bäumen den Wald nicht mehr gesehen. Deshalb wird dies nur ein Kurzabriss mit der Bitte, einfach selber hinzugehen!

Sharon Hayes: In the Near Future (London), 2008 (detail) © Sharon Hayes
Da es um Sprache, Sprachlichkeit und Hinhören geht, bedienen sich die Künstler fast ausnahmslos neuerer, zeitbasierter Medien. Die produzierten Videos und Installationen geben auf ganz unterschiedliche Weise wider, inwieweit die Kunst und der Akt des Übersetzens mit politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Dimensionen verworren ist: Stets geht es um das Austarieren von Macht und Privilegien. Wie schon Walter Benjamin und zahlreiche andere Sprachforscher und Kulturwissenschaftler verdeutlicht haben, ist das Übersetzen nicht ohne ein Um-Schreiben, eine Sinn-Veränderung zu denken.
Bekannte Namen wie Keren Cytter sind ebenso vertreten wie in Berlin erstmals Ausstellende wie Matt Keegan (na gut, vielleicht ist das mein Favorit...). Dieser hat sich näher mit der Lehrtätigkeit seiner Mutter beschäftigt, die mithilfe von sterotypisierten US-Mittelschicht-Abbildungen Kindern von Migranten den Einstieg ins Englische erleichtern soll: Frühstück ist unmöglich gleich el desayuno, oder? Fundstücke der besonderen Art also ab sofort dank „Found in Translation“.

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