Mittwoch, 8. Februar 2012

IM SCHLAGLICHT: Links und rechts der Mauer

zu: "Der geteilte Himmel. 1945 - 1968. Die Sammlung. Neue Nationalgalerie". in der Neuen Nationalgalerie // bis Ende März 2013

Nach „Moderne Zeiten“ zeigt die Neue Nationalgalerie nun ihre Bestände aus den Jahren 1945 bis 1968. Benannt nach dem Roman von Christa Wolf ist die Ausstellung über den „Geteilten Himmel“ im zeitlos beeindruckenden Mies-van-der-Rohe-Bau so ausgerichtet, dass die Kluft zwischen den Systemen und ihren künstlerischen Ausdrucksformen zweifellos sichtbar wird.
Dank der Zusammenführung der Nationalgalerien nach der Wende kann das Museum mit bedeutenden Werken aufwarten, die es klug mit weniger großen Namen koppelt. So beginnt der Rundgang mit den „Wahnsinnigen Harlekinen“ von Heinrich Ehmsen, die exemplarisch für die Zwiegespaltenheit und Orientierungslosigkeit der Künstler stehen: Für den Osten zu abstrakt, für den Westen noch zu wenig.
Heinrich Ehmsen: Wahnsinnige Harlekine vor den Trümmern des Krieges II, 1945/51 Öl auf Leinwand, 121x200 cm © Staatliche Museen zu Berlin
Zerrissen zwischen den Politiken zweier Gegner zeigen sich die Versuche, die Kriegserlebnisse zu verarbeiten. Doch schon bald wenden sich Strömungen wie die Pop Art von der Vergangenheit ab und legen den Fokus auf die Herausforderungen der Gegenwart. Mit Warhol, Lichtenstein oder Beuys hat sich die Nationalgalerie Koryphäen des westlichen innovativen Ausdrucks herangezogen: Nicht zuletzt ihren Vorreiterrollen verdankt das heutige Kunstgeschehen vieles. Doch gerade die Ost-Pendants wie Vasarely beweisen ihre anders orientierte, aber nicht weniger qualitative, teilweise kritische Auseinandersetzung mit den Erlebnissen dieses besonderen Zeitabschnitts in der Geschichte Europas. Auch an damaligen Schockern wir Günter Brus Aktionskunst mangelt es der Ausstellung nicht.
Andy Warhol: Big Electric Chair, 1967 Acryl auf Leinwand, 137,3x185,4 cm
© Artists rights society, New York
Querbeet durch die Nationalitäten und Medienformen (u.a. auch Collagen und Installationen, z.B. von Bruce Nauman) bietet „Der geteilte Himmel“ einen kontrastreichen Eindruck der klassisch-modernen Kunst, die in ihrer Aktualität und Relevanz auch unsere gegenwärtige Kunst beeinflusst. Ein wenig überladen und chaotisch wirkt die Konzeption leider aber doch. Die Sammlung verfügt einfach über zu viele Schätze, die nur schwer einwandfrei auf so wenig Raum inszeniert werden können.

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