Sonntag, 11. März 2012

Der eigentliche Skandal

zu: Verhaftung des tschechischen Künstlers Roman Týc am 24. Februar 2012 in Prag

Mittlerweile sitzt der tschechische Künstler Roman Týc (von der Künstlergruppe Ztohoven) die dritte Woche in Haft. Dreißig Tage lang muss er insgesamt für eine Kunstaktion büßen, die 2007 in Prag für Erheiterung und auch Verwirrung sorgte - freilich nur unter den Touristen und sonstigen Fußgängern und nicht bei den Ordnungshütern. Týc hatte in einer Aktion fünfzig Ampelmännchen ausgetauscht: statt der üblichen Steh- und Gehmännchen, gab es nun Jesus am Kreuz, pinkelnde Männer, Figuren mit Kindern an der Hand.
Das mag der ein oder andere anstößig finden (Was macht Jesus auf einem Ampelsignal?), alles in allem ist es aber harmlos. Der Autoverkehr war dadurch nicht gefährdet und bestenfalls haben die ungewöhnlichen Männchen einigen Fußgängern die Augen geöffnet und für ein AHA-Erlebnis gesorgt.
Was macht aber das tschechische Gesetz (und die Politik) daraus? Týc musste die Beseitigung der Gläser aus eigener Tasche bezahlen - was er auch tat. Er weigerte sich aber, eine zusätzliche Strafe zu begleichen. Aus diesem Grund verhängte das Prager Gericht eine Haftstrafe von 30 Tagen.

Der tschechische Präsident Václav Klaus - befugt, Gnade walten zu lassen und Týc aus der Haftstrafe zu entlassen - hat nun den Fall geprüft und kommt zu dem Ergebnis, dass es keine überzeugenden Gründe gebe, Týc auf freien Fuß zu setzen. Dies alles geschieht mit dem Hintergrund, dass Klaus zuvor bereits sehr wohl solche Gnadenerlasse verteilt hatte: bei korrupten Politikern beispielsweise drückt der Präsident gerne mal ein Auge zu.
Wo liegt dann der eigentliche Skandal?

Abb. von: www.artinfo.com/photo-galleries/slideshow-the-streetlights-of-roman-tyc-and-his-supporters?image=1 (11.03.2012)

1 Kommentar:

  1. Hier offenbart sich die Wirklichkeit ... das ist die Wirklichkeit jenseits unserer Ateliers ...

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