Mittwoch, 14. März 2012

IM SCHLAGLICHT: Der facettenreiche Mister Richter

zu: "Gerhard Richter - Editionen 1965-2011" im me Collectors Room // bis 13.05.12

Gerhard Richter, der großartige Export der deutschen Gegenwartskunst, ist derzeit in aller Munde. Denn mit Vollendung seines 80. Lebensjahres kann Richter mit einer beeindruckenden Sammlung seines Schaffens aufwarten; zu Recht werden ihm landesweit zahlreiche Retrospektiven gewidmet. Wer gerade mal keine zwei Stunden Ansteh-Zeit vor der Neuen Nationalgalerie überhat, der sollte mal in der Auguststraße in Berlin-Mitte vorbeischauen: Der me Collectors Room konzentriert sich auf Richters Editionen, also auf die Auflagenkunst, ganz im Gegensatz zu den Ölbildern der Nationalgalerie, die allesamt Unikate sind.
Installationsansicht 2012
©me Collectors Room, Foto: Jana Ebert
Ich wage an dieser Stelle die Hypothese aufzustellen, dass ein Besuch der Druckerzeugnisse in der Auguststraße für unsere kunstgeflüster-Leser ebenso spannend ist wie die touristenattraktive Hype-Kunst der renommierten Nationalgalerie – wenn nicht sogar aufschlussreicher.
Gerhard Richter "1260 Farben" 1974
©Gerhard Richter 2011, Foto: Olbricht Collection, Jana Ebert
Richters Oeuvre ist wahnsinnig vielseitig: Er liebt das Spielen und Experimentieren mit Licht, Form und Farbe; er bedient sich unterschiedlichster Stile, Schwerpunkte und Materialien. Lange bevor es in Mode kam, hat er - bereits in den 60ern zusammen mit Sigmar Polke - Offsetdruck, Lichtdruck und glänzende Chrome-Fotografie als Verfremdungstechniken verwendet. Anders als viele andere Künstler sah er in der digitalen Kunst schon damals eher die Chance, unsere Wahrnehmungsfähigkeiten gezielt zu relativeren, als den Untergang durch eine technisch-industrielle Realität der Moderne. Zu sehen sind Editionen seiner berühmten Wolkenbilder, Fotoeditionen wie „Ema“ und druckgrafische Arbeiten wie „Betty“.
Gerhard Richter "Goldberg Variationen" 1984
©Gerhard Richter 2011, Foto: Olbricht Collection, Achim Kukulies, Düsseldorf
Diese Ausstellung gibt Einblick in die facettenreiche und phantasievolle Arbeit von Gerhard Richter. Indem sie zeigt, wie sich Richter Phänomen zwischen Schein und Sein nähert und sie harmonisch und echt inszeniert, gelingt es, die wahre Größe dieses besonderen Künstlers einzufangen.
Lieblinge: „1260 Farben“, „Ema (Akt auf einer Treppe)", „Goldberg-Variationen“

1 Kommentar:

  1. Ihre Begeisterung für Richter teile ich, und gerade irgendwann das Nebeneinander von gegenständlicher und ungegenständlicher Malerei war für mich immer was besonderes ... sehr aufschlußreich, vom Wesen der Malerei immer noch mal ein Stück mehr zu begreifen ...

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