Freitag, 16. März 2012

IM SCHLAGLICHT: Wien ♥ Klimt

zu: „Klimt Persönlich. Bilder - Briefe - Einblicke“ im Leopold Museum // bis 27.08.2012

Die Museen Wiens feiern den 150. Geburtstag von Gustav Klimt und widmen ihrem vielleicht berühmtesten Künstler über das Jahr verteilt sage und schreibe zwölf Ausstellungen. Den Reigen eröffnete bereits letztes Jahr das Belvedere, aktuell sind drei Ausstellungen zu sehen: im KHM, im Leopold und seit dem 14. März auch in der Albertina.
Ich habe mich entschieden in das Leopold Museum zu gehen, dort wird „Klimt persönlich“ gezeigt und die Hoffnung geweckt, den Menschen Gustav Klimt besser kennenzulernen. Darauf bin ich neugierig, denn der Künstler galt schon zu Lebzeiten als verschlossen:

Wer über mich – als Künstler, was allein beachtenswert ist – etwas wissen will, der soll meine Bilder aufmerksam betrachten und daraus zu erkennen suchen, was ich bin und was ich will.“

In der Ausstellung stehen also nicht die Kunstwerke im Mittelpunkt sondern Kommentare, Gedanken und persönliche Erfahrungen des Malers. Diese werden dem Besucher durch die Korrespondenzen mit Emilie Flüge, Klimts Lebensmensch, näher gebracht.
Hans Böhler: Gustav Klimt und Emilie Flöge, um 1909
ÖNB/Wien, Pf 31931 E (2), ©Leopold Museum
Fast 400 Briefe und vor allem Postkarten, die Klimt über Jahre hinweg Emilie geschickt hat, ziehen sich wie ein roter Faden durch die Ausstellung. Darin kommentiert Klimt teilweise den Entstehungsprozess seiner Werke, berichtet aber auch vom Wetter und seinem persönlichen Wohlbefinden.
Postkarte von Gustav Klimt in Ravenna an Emilie Flöge in Wien, 02.12.1903
Privatbesitz © Leopold Museum
„Gestern Abend bei Regen wolbehalten hier angekommen – ganze Nacht Gußregen – sogar im
Hotelzimmer vom Plafond herunter – heute endlich Sonne – in Ravenna viel armseliges – die
Mosaiken von unerhörter Pracht. Grüße herzlichst Dich und die Andern Gustav“

Solche kurzen Texte wurden vom Maler mehrmals täglich verfasst. Emilies Antworten waren sicherlich genauso zahlreich, sind jedoch leider nicht erhalten.
Diese Postkartennachrichten erinnern heute an Botschaften, welche zu Hauf per sms oder E-Mail an Freunde und Familie versendet werden. Und so sind es gerade diese kleinen, banal wirkenden Texte, die den Künstler Klimt menschlich machen und den Blick freigeben auf den privaten, persönlichen Klimt.

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