Dienstag, 29. Mai 2012

Fenster ohne Ende

zu: "Fresh Widow" in der Kunstsammlung NRW, K20 // bis 12.08.12

Sperrig sieht er aus, der Titel der aktuellen Ausstellung der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, wie er an der Fassade des Hauses am Grabbeplatz zu lesen ist:  "Fresh Widow", frische Witwe, als Lückentext. Die Lösung: "French Window", französisches Fenster, vielleicht? Ein Wortspiel, wie originell!
Es stellt sich heraus, dass der Ausstellungstitel Bezug auf ein gleichnamiges Objekt von Marcel Duchamp nimmt. Das Modell eines französischen Fensters:
M. Duchamp: "Fresh Widow", 1920/1964, Holz bemalt, Glas, Leder,
77,5x45x10,2 cm, The Israel Museum, Jerusalem
Die Ausstellung vereint Fenster-Bilder aus den letzten hundert Jahren in sämtlichen Gattungen und Materialien. Gemalte Fenster, Fenster-Objekte, fotografierte Fenster, Fenster-Installationen, Fenster-Zeichnungen, ein Fenster-Video.
Den Auftakt macht im ersten Teil der Schau ein Gemälde Robert Delaunays aus dem Jahr 1910. Große Namen schließen an: Matisse, Duchamp, Albers, Magritte natürlich (Highlight: "Le soir qui tombe", 1964), auch Richter und Christo und andere. Besonders erwähnenswert: die Lichtinstallationen von Olafur Eliasson.
R. Magritte: "Le soir qui tombe", 1964, Öl auf Leinwand,
162x130 cm, The Menil Collection, Houston
Beim Betreten der zweiten Halle im Erdgeschoss hört man es Scheppern und Klirren und man ahnt schon, was da auf einen zukommt - erst geht es aber noch an Arbeiten von Jeff Wall, Isa Genzken und Sabine Hornig vorbei, bevor man zu Jochem Hendricks' lärmenden Video mit dem Titel "Front Window" (2008-09) gelangt: Die sechsminütige Arbeit zeigt einen trostlosen, entrückt wirkenden, reich befensterten Teil einer Hausfassade vor einem grauen, bewölkten Himmel. Nach und nach werden die insgesamt 200 Glasscheiben der Fenster von innen eingeworfen. Eine Reihenfolge scheint es dabei nicht zu geben, auch das Tempo variiert stark. Mal zerbersten viele Scheiben - einen Feuerwerk gleich - schnell hintereinander, dann wieder passiert gar nichts und man wartet gespannt, welche Scheibe es wohl als nächste treffen wird. Einem Musikstück gleich wechseln sich ruhige, leise und temporeiche, laute Passagen ab - eine tolle Arbeit in einer sehenswerten, wenn auch insgesamt eher durchwachsenen Themenausstellung.

Positive Randnotiz: Es gibt ein kostenloses 48-seitiges Begleitheft, das kurz in die Kunstgeschichte des Motivs 'Fenster' einführt und anschließend alle gezeigten Positionen knapp vorstellt!

Kommentare:

  1. Wow- wirklich eine tolle Ausstellung. Danke für den Bericht und die Bilder. Werd bestimmt mal vorbei schauen.

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  2. Liebe Maya, mach das auf jeden Fall - es lohnt sich!

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