Donnerstag, 31. Mai 2012

IM SCHLAGLICHT: Nichts ist, wie es aussieht

zu: "ARTandPRESS" im Martin-Gropius-Bau // bis 24.06.12

Über eine Ausstellung zu schreiben, die sich mit dem Verhältnis von Kunst und Presse, noch dazu mit dem verheißungsvollen Subtitle „Kunst.Wahrheit.Wirklichkeit“ beschäftigt, hat etwas Paradoxes: Schnell tappt man selbst als Autor in die Falle und liefert Steilvorlagen für eine künstlerische Subversion des Medialen. Wir halten uns also kurz.
Farhad Moshiri: "Kiosk de Curiosité", 2011
Courtesy Galerie Thaddaeus Ropac Salzburg, Paris, Foto: Stefan Korte
Im Vorfeld wurde ARTandPRESS großflächig beworben (selbst an den Scheiben der U-Bahnen; nicht unbedingt ein Qualitätsmerkmal) und auch das name dropping versprach ein Spitzenniveau: Warhol, Rauschenberg, Gursky, Immendorff, Hirst, Polke, Beuys, Richter und und und. 56 künstlerische Positionen, teilweise unterschiedlich wie Tag und Nacht. Lassen diese sich wirklich in einer Ausstellung vereinen?
Melissa Gordon: "Double Perspective" (Andy Warhol/Robert Kennedy), 2010
Courtesy Galerie Cosar HMT
Nein, dafür ist jeder für sich ein zu großer Meister seines Werks, aber sie wirken einzeln für sich, sei es in individuell gestalteten ganzen Räumen oder als Konglomerat von Wandcollagen und Videoinstallationen. Die Bandbreite der Themen, Problematiken und Kunst- sowie Medienformen wird bereits deutlich in den Überschreibungen der Räume, beispielsweise „Faszination des Schreckens“, „Nichts ist, wie es aussieht“ oder „Das Ereignis hinter dem Bild“.
Wer bei einigen Arbeiten müde lächeln mag, weil sie thematisch arrangiert oder redundant erscheinen, wird schnell besänftigt und begeistert von Werken, die sich nicht nur kritisch, sondern auch produktiv dem aktuellen Spannungsverhältnis von Kunst und Presse widmen.
Barbara Kruger: "Untitled ARTandPRESS", 2012
Sprüth Magers Berlin London, Foto: Stefan Korte
Neben den bereits genannten alten Hasen der reflexiven Collagenkunst stechen besonders drei Arbeiten hervor: Melissa Gordon leitet den Besucher an, für die „Double Perspective“ erst auf das Podest zu steigen, um durchzublicken; Farhad Moshiri bringt westliche und östliche Kultur zusammen, indem er Boulevard-Zeitungen auf Perser-Teppiche druckt und so die globale Verführung der Konsumkultur versinnbildlicht, und Barbara Kruger hat einen ganzen Raum mit überdimensionalen Artikeln zu europäischer Immigration gestaltet: „Hütet euch, in die Pose des abgeklärten Zuschauers zu verfallen“, postuliert sie da. Das Wort zur Ausstellung und für’s Leben, wie wir finden. 

Alle Abblidungen von: http://www.artandpress.de/bildergalerie.php am 31.05.12

Kommentare:

  1. geht es bei dieser ausstellung nur um die kunst oder auch ums geschäft. ich denke, die kunstkreise sollten sich mal gedanken machen, wenn kai diekmann sich ins kunstgeschäft mischt.
    mehr: http://joernborchert.twoday.net/stories/97064083/

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  2. Wow.
    Das "Barbara Kruger: "Untitled ARTandPRESS", 2012
    Sprüth Magers Berlin London, Foto: Stefan Korte " finde ich sehr beeindruckend und wirkungsvoll.

    Liebe Grüße, Kunterbunt.

    Schaut dochmal vorbei. Würde mich freuen! :)
    http://hinterlassenespuren.blogspot.de/

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