Sonntag, 3. Juni 2012

IM SCHLAGLICHT: Darf ich vorstellen: Die Pomeranz Collection

zu: "Fremde Überall" im Jüdischen Museum Wien // bis 07.10.12

Nach der letzten exzellenten Ausstellung "Bigger than Life", die das jüdische Hollywood beleuchtet hat, ist dem Jüdischen Museum Wien mit "Fremde Überall" erneut eine großartige Schau gelungen: Gezeigt wird zeitgenössische Kunst aus der Pomeranz Collection, einer Privatsammlung deren Werke sich in der einen oder anderen Form mit dem Fremd-Sein auseinandersetzen.
Der jüdische Sammler Eduard Pomeranz stammt ursprünglich aus Odessa und ist nach Wien emigriert; ebenso verhält es sich mit den meisten Künstlern seiner Kollektion. Ihre Biografien erwecken den Eindruck, die des Sammlers wiederzuspiegeln. 
Auffällig ist, dass Pomeranz vermehrt junge Avantgarde aus den letzten 10 Jahren fördert. Sein Unterfangen ist überhaupt sehr jung: Erst 2007 hat er begonnen zu sammeln. Spannend bleibt, wie sich diese Sammlung entwickeln und was in Zukunft noch von ihr zu hören sein wird.

Es folgt ein bildreicher Überblick zur Ausstellung, der jedoch einen persönlichen Museumsbesuch in keinster Weise ersetzen kann. Also: Unbedingt hingehen!
Ignacio Gonzalez-Lang “Kueens”, 2009
Gonzalez-Lang hat diese rote Baumwollrobe von einer Schneiderin anfertigen lassen, deren Familie seit fünf Generationen dem Ku-Klux-Clan angehört. Die Stickerein darauf stammen von einer mexikanischen Einwanderin aus New York.
Ciprian Muresan “Communism never happened”, 2006
Für die Buchstaben schnitt Muresan alte Propagandaschallplatten aus der UdSSR in Form.
Cyprien Gaillard “Indian palm study”, 2011
Eine effektvolle Rahmung von Polaroids beweist Gaillard. Sie rücken Palmzweige in Indien in den Vordergrund; prächtige Bauten spielen eine untergeordnete Rolle im Hintergrund.
Adrian Paci “Back home”, 2001
Für diese Serie bat Paci Exil-Albaner, ihre Häuser in der Heimat betreten und fotografieren zu dürfen. Anschließend fotografierte er die Familien vor Reproduktionen ihrer ehemaligen Wohnzimmer.
Ceal Floyer “Scale”, 2007
24 an der Wand montierte Lautsprecher bilden in diesem Kunstwerk eine Treppe. Aufsteigende und absteigende Tritte erklingen abwechselnd über die Lautsprecher und erinnern dabei gleichzeitig an eine Tonleiter.
Robin Rhode “Kite”, 2008
Rhodes poetische Installation besteht aus drei Elementen: einer Abbildung zweier Hände, die die Schnüre eines Flugdrachens festhalten, drei Aluminiumfäden, die von der entsprechenden Stelle im Druck zur gegenüberliegenden Wand führen und einer Videoprojektion. Gezeigt wird eine Aufnahme des Himmels, dieser ist erst heiter, wird dann jedoch zusehends düster. Aufgenommen wurde das Video in New Orleans.
Adel Abdessemed “The Sea”, 2008
Das zehnsekündige Video zeigt Abdessemed auf einem Floß auf hoher See. Man sieht den Künstler beim Versuch "political correctness" auf die Holzplatten zu schreiben, während starke Wellen ihn und das Floß überrollen.
Adel Abdessemed “one life one love one god”, 2008
Eine weitere Arbeit des aus Algerien stammenden Künstlers Abdessemed befasst sich mit dem Rassismus, der ihm in seiner jetzigen Heimat Frankreich entgegenschlägt.

Und wer mehr über die Pomeranz Collection erfahren will, dem sei diese Website empfohlen: pomeranz-collection.com

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