Sonntag, 22. Juli 2012

Ruhe für dOCUMENTA-Gestresste

zu: "STEPHAN BALKENHOL in SANKT ELISABETH", Kassel  // bis 18.9.2012

Stephan Balkenhol hat es geschafft: ein kleines Skandälchen um einen Mann im Glockenturm und schon stiehlt er der diesjährigen dOCUMENTA (13) die Show. Aber von vorn.
Die Kirchengemeinde St. Elisabeth in Kassel und der Künstler Stephan Balkenhol planen eine Ausstellung. Dies ist erst einmal nichts Besonders. Aber sie planen sie zeitgleich zur documenta, wohlgemerkt ohne Teil dessen zu sein, und der Ausstellungsort, d.h. die Kirche, befindet sich an einem strategisch wichtigen Punkt. Auf dem Friedrichsplatz nämlich in unmittelbarer Nähe zu documenta-Halle und Fridericianum. Der künstlerischen Leiterin der documenta Carolyn Christov-Bakargiev ist das ein Dorn im Auge. Sie hatte schon im Vorfeld bemerkt, dass der Plan Balkenhols - eine schwebende Figur in dem Glockenturm der Kirche zu installieren -  das Konzept störe, das die documenta für den Friedrichsplatz erarbeitet habe. Denn Balkenhol ist und war kein documenta-Künstler und es soll auch nicht so aussehen, als wäre er einer. Die Ausstellung der Elisabethkirche sollte also besser ohne Glockenfigur stattfinden. (Eine Dokumentation der Debatte findet man auf den Seiten der Kirchengemeinde.)
Gott sei Dank - die Figur steht noch und mit ihr eine kleine, aber feine Ausstellung in dem und um den Kirchenraum herum. Eine ruhige Oase inmitten des Kunst-Tohuwabohus. 
Die Kirchenwände sind mit je drei Holzreliefs von Balkenhol geschmückt, das Kreuz Jesu im Altarraum verdeckt ein Balkenholsches "Augenkreuz" und in einer Nische befindet sich eine in ein weißes Tuch gewickelte Frau. Auf den Außenterrassen stehen Balkenhols unverkennbare Holzmänner - übermenschlich groß, gottgleich. 
Wem also der ganze Trubel auf der dOCUMENTA (13), die Menschenmassen und Kunstflut zu viel werden, dem kann ich diese Ausstellung nur wärmstens empfehlen. Hier findet der gestresste und gehetzte documenta-Besucher endlich die nötige Stille und Ruhe, um sich entspannt und aufmerksam der Kunst zu widmen.

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