Donnerstag, 2. August 2012

IM SCHLAGLICHT: Kunstvolles aus dem Wasser. Wenn Müll eine Aufwertung erfährt

zu: "Gabriel Orozco. Asterims", Deutsche Guggenheim // bis 21.10.2012
 
Das Kunstverständnis sowie das Verhältnis zwischen Kunst, Kunstschaffendem und Betrachter haben sich im Laufe des letzten Jahrhunderts rigoros geändert. Hauptsächlich Dadaisten, Kubisten und Futuristen haben – beispielsweise mit den Objets trouvés – in erheblichem Maße dazu beigetragen, die verworrene Differenz zwischen Hoch- und Subkultur aufzuheben. Beuys, Duchamp und Co. haben die starren Mauern eingerissen und auf ihre ganze eigene Art und Weise gegen aufwändige Objektkunst, stilisierte Gemälde und konventionelle Ateliers rebelliert. Auch die Arbeit mit Abfallmaterialien war eine der Methoden, derer sich die Künstler bedienten, um die Perspektive auf gesellschaftliche Wandlungsprozesse zu lenken.
Gesammelte Objekte für „Sandstars“,2012 © Gabriel Orozco 2012
Eine der letzten Ausstellungen im Berliner Guggenheim Museum zeigt ein Werk von Gabriel Orozco, "Asterims – Sternbilder", bei dem das Profane und das Poetische aufeinanderprallen: Orozco kombiniert Alltagsgegenstände, die er vom Pazifik an den Strand gespült gefunden hat. Indem er "die beinahe 1.200 Fundstücke [zu einem] monumentalen Objekt-Teppich" (Deutsche Guggenheim, 2012) zusammenfügt, gibt er ihnen eine Form und Bedeutung.
Installationsansicht: Gabriel Orozco "Asterisms" 2012. Deutsche Guggenheim, Berlin
Photo: Mathias Schormann, Berlin. © Gabriel Orozco
In Zeiten von internationalen Klimagipfeln und Kyoto-Protokollen tangiert Kunst mit und aus ungewollten, also Müll-Archiven deshalb auch zugleich eine gesellschaftliche Problematik, auf die aufmerksam gemacht werden soll. Es lassen sich viele Beispiele von Künstlern finden, für die Müll als Meterial und Ausdrucksmittel dient: Arman, Luginbühl, Rauschenberg, Pollock, Beuys, Tàpies und viele mehr. Wenige allerdings haben sich explizit mit Gegenständen aus dem Wasser befasst.

Ausstellungsbroschüre und die Werbetrommel für "Asterims" versprechen eine aufschlussreiche und kreative Auseinandersetzung mit der Thematik. Neben dem imposanten Original-Teppich aus Müll in der Mitte des Raums enttäuschen die wenigen, großformatigen Fotografien der Fundstücke ein wenig. Die Brisanz und stete Aktualität dieses politisch relevanten Diskurses hätte weit mehr hergeben können; sicherlich wäre Orozco auch der Idee einer kombinierten und fundierteren Ausstellung nicht abgeneigt gewesen. So scheint es leider, als säße das Guggenheim Museum bloß seine nur noch kurze Existenz in den Gemäuern ab.


Beide Abb. von: http://db-artmag.de/de/71/on-view/asterisms-gabriel-orozcos-auftragsarbeit-fuer-das-deutsche-gugge/ am 02.08.2012

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