Freitag, 28. September 2012

Die Szene in Holesovice

zu: "Veronika Drahotová - Sugar Choice" in der Prinz Prager Gallery, Prag // bis 04.11.2012 und 
Ausstellungen des DOX - Centre for Contemporary Art, Prag

Im Prager Stadtteil Holesovice, einst Arbeiter- und Hafenviertel, etabliert sich langsam aber sicher die neue Szene. Designgeschäfte, fesche Büro- und Wohnhäuser reihen sich hier bereits aneinander. Und selbstverständlich ist auch die Kunst nicht weit. 
Ausstellungsansicht "Sugar Choice"
Meine erste Adresse ist die Prinz Prager Gallery. Leider gibt es hier momentan "nur" kitschige, belanglose Malereien von Veronika Drahotová zu sehen. Die ausgestellten Werke - mit Glitzer überstreute, bunte und weitesgehend gegenstandslose Leinwandarbeiten und Plastiken - sind leider eher schwach und hinterlassen irgendwie einen falschen Eindruck von ihrem übrigen Werk (verschiedensten Materialien, mal figürlich, mal abstrakt und keineswegs kitschig banal). Den aus Baustoff geformten Herzen, in denen Kabel, Kopfhörer und andere technische Kleingeräte versinken, kann ich noch am ehesten etwas abgewinnen (Foto unten).
Detail von "If not now. Destinies 1-6 Backwards"
Schnell weiter also, zur zweiten Station, dem DOX. Hier bin ich total überrascht vom großen Andrang. Vor einigen Jahren, als ich als Studentin in Prag war, galt das DOX, gerade frisch aufgemacht, noch als Geheimtipp. Mittlerweile scheint es sich also herumgesprochen zu haben.
Das Gebäude zeigt momentan vier Ausstellungen und jede wäre ein eigener Eintrag wert. Ich versuche mich aber kurz zu fassen. Die wichtigste und schönste zuerst: eine Retrospektive des bereits verstorbenen tschechischen Künstlers Karel Nepras, der neben wunderbar feinen Zeichnungen auch Unmengen von merkwürdig, teils verstörenden Figuren aus Abwasserrohren oder Metallstangen geschaffen hat. Im Netz kann sich HIER jeder ein eigenes Bild machen und virtuell durch die Ausstellung laufen.
Karel Nepras


Daneben läuft noch bis 08.10. eine Ausstellung von jungen Kunststudenten aus verschiedensten Ländern unter dem Titel "Startpoint: Prize for emerging artists", bei der auch vier deutsche Studenten mit Arbeiten vertreten sind (Matti Schulz, Artur Niestroj, Stefanie Walk, Britta Thie). Eine Videoarbeit von Britta Thie (als Video oben zu sehen) hat mir dabei am Besten gefallen.

Nach den teilweise schwer zugänglichen Arbeiten der Startpoint Ausstellung und insgesamt knapp drei Stunden Kunst, war der "Bikiny Club"auf der Terrasse des DOX-Cafés von Veronika Psotková eine Befreiung. Sechs pralle Frauen lümmeln sich da in bunten Bikinis zwischen den Gästen. So einfach kann Kunst sein.
Veronika Psotkova "Bikiny Club"
Abb. von Werken im DOX von: http://www.dox.cz (28.09.2012)

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