Sonntag, 25. November 2012

Drinnen und draußen

zu: "Drinnen und draußen. Rub a líc" im Goethe-Institut, Prag // bis 2015

Säuberlich aufgereiht und farblich sortiert präsentieren sich hunderte von Fotos seit letztem Donnerstag im Obergeschoss des Goethe-Instituts in Prag. Im Treppenhaus eine abstrakt anmutende Wandmalerei. An den Wänden Schrift, Blumenstilleben, Fotografien. Der Besucher könnte denken, er sei aus Versehen in einem zeitgenössischen Ausstellungshaus gelandet. Aber nein - es sind nur "Interventionen" von deutschen Künstlerinnen und Künstlern, die die Räumlichkeiten bis 2015 lebendiger machen sollen. 
Julia Schmid, Bücheruhren, 2011
Der Kurator des Projekts ist niemand anderes als der Direktor des Kunstmuseums Bonn Stephan Berg. Er ist verantwortlich für die Auswahl der Künstler der Aktion "Drinnen und Draußen", die Prag ganz wörtlich von draußen nach drinnen oder umgekehrt holen und bringen soll. Die Künstler gehen ganz unterschiedlich an die Aufgabe heran: Julia Schmid lässt Mitarbeiter des Goethe-Instituts ihre Lieblingsbücher zusammenstellen und fotografiert diese Minibibliotheken dann, in einen Kreis montiert, als "Bücheruhren". 
Sascha Weidmer, Die Bilder der Anderen, 2012
Sascha Weidner hat Touristen gebeten, ihm ihre Pragfotos zu senden und dann alle nebeneinander aufgestellt - auch seine eigenen Fotografien mischen sich darunter (selbstverständlich nicht mehr wiederzuerkennen). Ein besonderer Spaß für jeden, der Prag schon einmal mit einer Kamera durchstreift hat, denn irgendwie machen doch alle die gleichen Fotos. Kartoffelsuppe im Brotlaib, die Prager Burgwachen, schlechte Innenaufnahmen des Veitsdoms, die Spitzen der Kirchentürme im blauen Himmel, die architektonischen Highlights des Altstädter Marktes.
Heike Weber, Bodenlos, 2012

Wenn auch die Verbindung zu "draußen" nicht immer so deutlich ist wie bei diesen beiden Werken, so ist es doch erstaunlich wie unterschiedlich die Künstler die Aufgabe umgesetzt haben. Eine Bereicherung auf jeden Fall und zudem eine mutige Geste, Deutschlernenden, Mitarbeitern und anderen Besuchern des Goethe-Instituts diese künstlerischen Interventionen zuzumuten, was laut Direktor Heinrich Blömeke auch schon zu Beschwerden geführt hat. Einer Besucherin war während eines Besuches des Goethe-Cafés unwohl, weil Heike Weber den Boden so mit rotem Edding bemalt hat, dass man schon mal ein wenig das Gleichgewicht verlieren kann. Aber so ist das eben. Interventionen können ja auch echt nerven. Diese aber sollen vor allem eins: Lust auf Kunst machen!

Abb. von http://www.goethe.de/ins/cz/pra/kul/sup/kue/deindex.htm (25.11.2012)

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