Montag, 4. Februar 2013

Aufschlussreiche Selbstdarstellung

zu: besondere Ausgabe der art // im Februar

Die machen es sich aber leicht, dachte ich. Zu Georg Baselitz' 75. Jubeltag gibt die art eine "Geburtstagsausgabe" heraus. "Etwas ganz Besonderes", ja "ein Sammlerstück", schreibt Tim Sommer, der Chefredakteur des Magazins.
Ab Seite 21 geht es dann los: "Selbst soll der Künstler sich deuten!" steht da, die Autoren "werden Zeugen, wie Kunstgeschichte geschrieben wird".
Dann folgen 20 Seiten, für die der Künstler immer je ein Bild ausgehlt hat. Dazu gibt es (auch vom Künstler) je einen Fließtext mit Erläuterungen: Hintergründe zu dem Entstehen des Bildes, der Bedeutung des Werks im Oeuvre. Es geht um den Schaffensprozess, Inspiration und Biografisches. So schafft der Maler seine "ganz persönliche Retrospektive". Die Reportage ist gespickt mit Fotos aus seinem bayrischen Luxusatelier, entworfen von Herzog & de Meuron.
Das erste vorgestellte Bild stammt von 1959. Da war Beselitz 21 Jahre alt. Zehn Jahre später taucht das erste "gekippte" Gemälde auf. Die Motivumkehr sollte zu seinem Markenzeichen werden, die art nennt sie einen "formalen Geniestreich". Weiter geht es durch die folgenden Jahrzehnte, das letzte gezeigte Bild stammt aus 2012.

Auch wenn diese Artikel-Form heikel ist, weil sie keine Kritik beinhaltet und so etwas unreflektiert daherkommt, habe ich die 22 Seiten geradezu verschlungen. Wo liest man so etwas schon? Normalerweise schreibt immer jemand ÜBER jemanden und dessen Kunst. Wo kommen schon die Künstler selbst zu Wort (vorausgesetzt sie wollen überhaupt)? Schön wäre auch gewesen, Begleiter von Baselitz sprechen zu lassen.
Diese Art der Selbstdarstellung bleibt Geschmackssache, lockert das Magazin aber ungemein auf und lohnt sich unbedingt zu lesen - das Format sollte beibehalten werden. Glückwunsch zum 75sten an den Maler und Glückwunsch zum gelungenen Bericht an die art!

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