Sonntag, 28. April 2013

IM SCHLAGLICHT: Vom vielfältigen Scheitern

zu: "Besser Scheitern" in der Hamburger Kunsthalle // bis 11.08.13

Während die meisten Besucher den Weg nach oben zur Giacometti-Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle suchen, geht meiner dieses Mal an den großen Besucherströmen vorbei hinunter ins Sockelgeschoss. Hier befindet sich die Galerie der Gegenwart, die derzeit die Ausstellung "Besser scheitern. Film + Video" zeigt. Dort ist es - selbst an einem verregneten Samstag - nicht zu voll; man hat also ausreichend Ruhe, die Filme, die sich vielschichtig mit dem Thema Scheitern auseinandersetzen, anzuschauen. Es sind Videoräume und Filme von den 1960er Jahren bis heute.
Der Gang durch die dunklen Räume wird begleitet durch Stimmen und Geräuschen aus den Ausstellungsräumen. So etwa die verstörende Stimme, die von Bruce Naumans Videoinstallation "Anthro/Socio (Rinde Spinning)" ausgeht und, wie in einer Endlosschleife, Sätze wie "Feed me/ Eat me/ Anthropology", "Help me/ Hurt me/ Sociology" und "Feed me/ Help me/ Hurt me" von sich gibt. Folgt man ihr, gelangt man in einen Raum mit drei Bildschirmen und sechs Monitoren und sieht den um die eigene Achse kreisenden Kopf des Performance-Künstlers Rinde Eckert. Ein endlos hoffnungsloses "Um-sich-selbst-drehen"? Schnell verlasse ich den Raum wieder.
Francis Alÿs: "Rehearsal I" (in collaboration with Rafael Ortega), 1999-2004
Die endlose Wiederholung ein und desselben Vorgangs zeigt auch ein Film von Francis Alÿs: Ein roter VW-Käfer in einer Siedlung am Rande von Tijuana im Norden Mexikos, der vergeblich versucht, einen Hügel herauf zufahren. Begleitet wird die Fahrt nach oben von einer Blaskapelle. Hört die Kapelle jedoch auf zu spielen oder stimmen die Musiker ihre Instrumente, rollt der Käfer den Hügel wieder hinunter. Das kontinuierliche, jedoch vergebliche Probieren und Bemühen - eine moderne Auffassung vom Sisyphos-Mythos?
Wie es aussehen kann, wenn ein Interview scheitert, zeigt der Film von Jeanne Faust. Eine Interviewsituation, die sich wohl kein Journalist wünscht. Ein richtiges Gespräch zwischen Fragender und Befragtem kommt hier nicht zustande, dagegen wird man Beobachter einer eher unbehaglichen Atmosphäre, in dem der Befragte die Fragende teilweise bloßstellt, anstatt die Rolle des Erzählers einzunehmen.
Bas Jan Ader: "Fall 2", 1970
Die Ausstellung versammelt überzeugende Filme, die zum Nachdenken anregen oder einfach nur amüsieren, aber auch solche, die traurig stimmen und sehr berühren. Wer sich für diese facettenreichen Arbeiten, die sich auf tragische, bedrückende oder humorvolle Art allesamt mit dem Thema Scheitern auseinandersetzen, interessiert, dem sei diese Ausstellung empfohlen!
Abb von:  https://www.facebook.com/HamburgerKunsthalle/photos_stream am 27.04.13 

1 Kommentar:

  1. Netter Artikel, nur finde ich ihn teilweise "kompliziert" geschrieben. ;-)

    PS.: Schade, der Editor gibt keine Gedankenstriche her.

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