Freitag, 12. April 2013

Rohr auf Plane in Bilk

zu: Andreas Techler: „In Wellen [a work in progress]“ in di.vitrine (Düsseldorf) // bis 31.05.2013
 
In der etwas düsteren, etwas schmuddeligen 80er Jahre Eingangshalle des Bilker S-Bahnhofs hängen zwei rechteckige, flache Glas-Schaukästen an der Wand. Sie ähneln den Vitrinen, die sonst mit Fahrplänen bestückt sind. In jedem der beiden Kästen ist als Untergrund eine Plane (einmal in silber, einmal in dunkelgrün) drapiert. Darauf befindet sich jeweils ein s-förmiges, offensichtlich gebrauchtes Metallrohr, wie es für Wasserleitungen genutzt wird. Ich weiß nicht, was die vielen Tausend Reisenden, die täglich eine der am stärksten frequentierten S-Bahnstationen Düsseldorfs passieren, sich dabei denken. Vielleicht fragen sie sich, warum man diese Bauteile derart prominent ausstellt. Sind das vielleicht besondere, gar historische Rohre, die möglicherweise bei Bauarbeiten – vor dem Bahnhof befindet sich eine dicke Großbaustelle – gefunden wurden? Nein. Es ist Kunst. Es heißt „In Wellen [a work in progress]“, stammt von Andreas Techler und wurde sogar kuratiert - von Johannes auf der Lake. 

Aber von vorn: Ursprünglich sollten die von der Bezirksvertretung initiierten Vitrinen Bilker Künstlern als Präsentationsplattform im öffentlichen Raum dienen. Seit einigen Jahren verwaltet das Düsseldorfer Kulturamt di.vitrine – so heißen die Kästen heute – und die Künstlerauswahl ist nicht mehr regional beschränkt. Die Kunsthistorikerin Ulla Lux, die unter anderem auch für den Kunstraum in Bilk zuständig ist, bestimmt einen Kurator, der dann entsprechend einen Künstler auswählt. Mehrmals im Jahr wird die Ausstellungsfläche neu bestückt, es gibt keine Eröffnungen, keine Publikation und leider auch keinerlei Dokumentation. Ein kleiner Zettel an den Kästen gibt Auskunft über die Dauer der Ausstellung und über Künstler- und Kuratorennamen. 

Ein tolles Konzept! Kunst im öffentlichen Raum kommt immer gut, ist wichtig, regt die grauen Zellen an, wertet unsere Umgebung auf. Und an einem vermeintlich so „kunstfernen“ Ort wir dem S-Bahnhof in Bilk, in dem die Mülleimer stets überquellen, der Fahrstuhl meist defekt ist, die Uhr immer steht, und ein sympathischer Kiosk die Halle schon morgens mit lautem US-Hip-Hop beschallt, kann sie gerade durch den verstärkenden Kontrast besonders wirken. Der S-Bahnhof als anonymer Ort des Durchgangs, der Hast, der alltäglichen Routine, des Ankommens und des Wegfahrens bietet zusätzlichen inhaltliche Dimensionen, die zur künstlerischen Verarbeitung reizen.
Ich glaube (und weiß von überzeugenden vorherigen Installationen): Da wäre mehr drin gewesen, als zwei verkalkte Rohre auf Zeltplanen!

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