Donnerstag, 2. Mai 2013

IM SCHLAGLICHT: Die großen Meister des Berliner Sammlers Berggruen

zu: Das neu eröffnete Museum Berggruen

Lange hatte es wegen Renovierung und Umbau geschlossen, seit Ende März steht das zur Nationalgalerie gehörende Museum Berggruen am Charlottenburger Schloss wieder auf der To Do-Liste kulturbegeisterter Berliner und Besucher. Der für sich schon imposante Stülerbau wurde um das benachbarte Kommandantenhaus erweitert, ein Glasgang mit Blick auf einen neu angelegten Garten lässt auch das Architektenherz höher schlagen. 
©Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie, Museum Berggruen / hc-krass.de

Der Berliner Heinz Berggruen hinterließ seiner Heimatstadt ein unschätzbares Sammelsurium an Meisterwerken, das in seiner Stringenz und Leidenschaft einen roten Faden klar erkennen lässt und die Museumslandschaft der Hauptstadt einzigartig bereichert.
Im Zentrum der Sammlung steht Picasso, vertreten mit Exponaten aus jeder seiner Schaffensperioden. So erhält der Besucher einen wertvollen Eindruck von Umständen (Weltkrieg), Referenzen (George Braque) und Musen (weibliche Akte, wohin das Auge schaut!). Klug wurden thematische Bezüglichkeiten kuratiert, sodass sich eben jener Braque neben Paul Klee, Paul Cézanne und Henri Matisse harmonisch in den Ausstellungsfluss einpasst.


Picasso-Raum © Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie, Museum Berggruen / hc-krass.de
Die größte Leistung der Sammlung besteht darin, dass sie die Komplexität und Vielfältigkeit dieser Genies des 20. Jahrhunderts herausstellt. Greift man nur einmal Picasso exemplarisch heraus, der sowohl mit seinen Radierungen (sein „Minotauramachie“, eine Arbeit explizit für Heinz Berggruen, weist unvorstellbar viele Schwarz-Abstufungen auf), als auch mit Skulpturen – wegweisende Arbeiten mit objéts trouvé wie "Der Kranich" von 1952 - , Ölgemälden, Tuschezeichnungen ("Das Zirkuspferd" von 1937 soll hier ganz besonders hervorgehoben werden) und Collagen vertreten ist. Die Entwicklung des Künstlers, seine Beeinflussungen und Anspielungen sind auch für den Laienblick nachzuvollziehen; auf der einen Seite entwickelt er den synthetischen Kubismus, wird manchmal gar vollkommen abstrakt ("Die sitzende Frau"), während andere Werke realistisch anmuten. Es wird gezeigt, welchen Stellenwert Picassos Studien zum Grotesken – in erster Linie repräsentiert durch den "Sitzenden Harlekin", das Werk seiner Rosa Periode um 1905 – für ihn selbst hatten. Noch 1937 greift er dieses Motiv des Grotesken wieder auf, indem er im "Bildnis Nusch" das Prinzip der doppelten Mehrsichtigkeit - Perspektive und Persönlichkeit – einführt.

Für mich persönlich ist die Klee-Etage jedoch das Highlight der Sammlung. Farbenstärke und perfektionierte Reflexion machen jedes Bild zu einem Erlebnis.


Abb. von: http://www.berlin.de/kultur-und-tickets/fotos/museen/2986979-1887517.gallery.html?page=9&popup=1 am 29.04.13 

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