Dienstag, 4. Juni 2013

Sandkörnchen im Getriebe

zu: "Petites résistances" im Weltkunstzimmer // bis 13.07.13

Wir laufen in einer Gruppe durch Düsseldorf-Flingern. An einem Feiertag irren wir durch die Automeile und nehmen Anweisungen aus dem Handy entgegen: "Finde eine Überwachungskamera!", "Gehe Richtung Osten!", "Folge einem Spaziergänger mit Hund!", "Suche eine Baustelle!". Wir schauen uns um, drehen uns im Kreis, suchen die Sonne zur Ermittlung der Himmelsrichtung, scannen den Stadtraum, als ob wir noch nie dort gewesen wären. Und tatsächlich können wir fast alle Aufgaben lösen, schweifen dabei fast zwei Stunden durch Düsseldorf und lernen die Stadt ganz anders kennen. Wir sind sensibler für unsere alltägliche Umgebung geworden - unsere Sinne sind geschärft.
Die Anweisungen kommen von einer Dérive-App und Alain Bieber liest sie uns vor. Wir nehmen an einem Modul des Workshops teil, den er gemeinsam mit Emmanuel Mir, dem Kurator der Ausstellung "Petites résistances - Rebellion als Kunstform (in deren Rahmen der Workshop stattfindet), organisiert hat.
Harmen de Hoop: Grow your own Vegetables, Rotterdam 2004
Am vergangenen Samstag wurde die Ausstellung im Düsseldorfer Weltkunstzimmer eröffnet. Zu sehen sind Werke von 14 internationalen Künstler(gruppen)n, deren Arbeitsfeld der öffentliche Raum ist.
Dabei geht es aber keineswegs um die lauten, bunten Schriftzüge und Bilder, an die man im Kontext rebellischer Kunst im Stadtraum vielleicht als erstes denken würde, sondern es geht um subversive, eher bescheidenere, auch unaufgeregtere, oft temporäre Eingriffe in unseren Lebensraum.
So vereint die Schau hauptsächlich dokumentarische Fotos und Videos und präsentiert damit die vielfältigen Facetten und Möglichkeiten dieser "anderen" Urban Art. Hier werden Straßenlaternen manipuliert, öffentliche Sprechanlagen gehackt, sich drehende Litfaßsäulen mit Hilfe von Einkaufswagen zu Kinderkarussels umfunktioniert und Bodenplatten von Gehwegen entfernt, um mit dem freigelegten Sand Burgen zu bauen.
Frölich, Mladý, Simánek & Turner: Kolotoč (Merry-go-round), Prag 2011
Die ausgestellten Werke rütteln wach, schärfen die Wahrnehmung und sensibilisieren für den öffentlichen Raum. Sie zeigen Möglichkeiten zur Intervention auf und stellen somit den gesellschaftlichen Konsens in Frage.
Das breite Begleitprogramm (u.a. der fünftägige Workshop im Vorfeld der Ausstellung) bietet Gelegenheiten zur Partizipation, oder zumindest zu einem Ausstellungsbesuch, den wir dringendst empfehlen - auch um eine der schönsten Locations für Kunst in Düsseldorf kennenzulernen!!

Vorschläge:
Fr., 21.06., 20Uhr: Filmscreening und Barbecue
Sa., 13.07., 16Uhr: Kuratorenführung

Außerdem sind verschiedene Interventionen im öffentlichen Raum geplant - Termine werden HIER bekannt gegeben.


Abb. von: http://petites-resistances.tumblr.com/ und http://www.weltkunstzimmer.de/wkz-home/details/news/petites-resistances-rebellion-als-kunstfor/ am 04.06.13

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