Dienstag, 2. Juli 2013

Asiatisch

zu: Galerie Philine Cremer // erschienen bei INDEX

Welcher junge Mensch ist so verrückt, in Düsseldorf eine neue Galerie für zeitgenössische Kunst zu eröffnen? In einer Stadt, in der es bereits gefühlte hundert Galerien gibt und sich ein Großteil davon nur mit einiger Mühe über Wasser hält. In einer Zeit, in der viele – nicht nur aufgrund der bald anstehenden Mehrwertsteuererhöhung für Kunst – jammern. In einer Szene, in der nur einige wirklich erfolgreich arbeiten und die entscheidenden Fäden ziehen.
Zhang Fangbai: Standing Proudly 2, 2010, Öl auf Leinwand, 150x120 cm
Nüchtern betrachtet hat eine junge, im professionellen Kunstbetrieb noch unerfahrene Galeristin nur eine Chance: Sie muss sich abheben, etwas anders machen und sich dadurch unbefangen den eingefahren Strukturen ein Stück weit entziehen. Die Betriebswirtin Philine Cremer würde das wahrscheinlich Alleinstellungsmerkmal oder unique selling proposition (USP) nennen. Und trotzdem sieht ihre im vergangenen Jahr gegründete Galerie auf den ersten Blick genauso aus wie jede andere. Sie befindet sich in typischer Kunstlage in der Ackerstraße, verfügt über ein großes Schaufenster, blendend weiße Wände, den üblichen neutral dunkelgrauen Fußboden und wird durch Neonröhren sowie zusätzliche Strahler beleuchtet. Der Arbeitsplatz ist wie gehabt mit Mac und Designerstuhl eingerichtet; im Hinterzimmer fehlen weder das kleine Lager noch die obligatorische Kapsel-Kaffeemaschine. Auch die eigens herausgegebenen Publikationen und die Homepage kommen in weiß und grau sehr schlicht daher. Sehr professionell, aber eben auch angepasst und eingereiht, etwas fantasielos und steril.

Gewissermaßen schreibt es seit Jahrzehnten so der „Galerie-Code“ vor und natürlich kann man diesen Einheitslook keinem Kunsthändler und auch der Galerie Philine Cremer nicht vorwerfen, denn entscheidend ist, dass sie sich genau durch den Punkt abhebt, der wirklich wichtig ist: weiter im Text geht es HIER!

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