Donnerstag, 25. Juli 2013

Fantastischer Farbrausch bei Raqib Shaw

zu: "Raqib Shaw" in der Galerie Rudolfinum, Prag // bis 15.09.2013

Unter einem mächtigen prunkvoll geschmückten Baldachin thront ein Affe. Rechts und links schaukeln düster dreinblickende Gefährten. Bewachen sie den Affen oder setzen sie gleich zum Angriff über? Koalas halten überquellende Obstschalen, Kaninchen und Vogel wurden schon für das Festmahl abgerichtet. Ein katzenähnliches Wesen steht Spalier, sein Geschlecht ist ein weit aufgerissenes Maul. Der Titel lautet "The Napoleon Suite".
Paradise Lost (Detail), 2001-2011

Das alles ist der Fantasie des indischen Künstlers Raqib Shaw entsprungen, der zwar in Indien aufgewachsen ist, sein Studium aber in London abgeschlossen hat. Seine Werke sind nun erstmals in einer großen Einzelausstellung in Tschechien zu sehen.

Auf den ersten Blick wirken Raqib Shaws Zeichnungen und Malereien kitschig und zugleich wunderschön und verführerisch. Es glänzt und glitzert und als Besucher ist man berauscht von ornamentalen Details und Farben. Prächtige Blumen ranken sich an Architekturen hoch, Fabelwesen mit langen Mähnen tragen strassbesetzte Kleidung. Aber die Schönheit trügt. Beim näheren Hinsehen entpuppen sich Flora und Fauna als Bühnenbilder für brutale, teils masochistische Szenen. Aneinandergekettete und gefesselte Tiermenschen und mit Pfeil und Bogen bewaffnete Fabelwesen treiben hier ihr Unwesen. Folter, Mord und Gewalt stehen an der Tagesordnung.
Und als wenn die Themen nicht schon ungewöhnlich wären - auch die Formate (oval bis mehreckig) und besonders die Technik (Emaille) sind es. Für den Laien mögen die Bilder aussehen wie Leinwände mit (sehr schönen) Window-Colour-Bildern beklebt, tatsächlich ist es beste Handwerksarbeit.
St. Sebastian Of The Poppies, 2011-2012

Mein Fazit: Diese Ausstellung ist nichts für schwache Nerven. Aber sie feiert die Möglichkeiten der Kunst und die Fantasie eines Künstlers und gibt einen hervorragenden Überblick über das Schaffen von Shaw. Auch wenn man noch Vergleiche zu Hieronymus Bosch ziehen, Symbole und Ornamente entschlüsseln und literarische Einflüsse aus Ost und West aufzeigen könnte, kann ich nur jedem raten: einfach mal hinfahren und ansehen. Denn auch ohne Hintergrundwissen ist es ein großer Genuss durch die Ausstellung zu laufen.
Und: Keine Reproduktion kann das Gefunkel und Geglitzer, die Details und Farben erfahrbar machen. Das muss man einfach aus der Nähe sehen!

Abb. unten: Ben Westoby, Courtesy of the Artist a White Cube

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen