Mittwoch, 7. August 2013

Amazon geht unter die Kunsthändler

zu: Amazon Art

Zwischen Büchern, Küchengeräten und Autoteilen kann man seit gestern bei der amerikanischen Version von Amazon auch Kunst kaufen. Ob das gut geht?

Sortiert bekommt man die Kunstwerke nach Medium: Fotografie, Zeichnung, Druck und Malerei. Es gibt Werke von Schwergewichten wie Marc Chagall, Henri Toulouse-Lautrec, Andy Warhol oder Salvador Dalí bis zu unbekannteren Künstlern.
Mit einem Klick kann man zum Beispiel für 6000 Dollar Besitzer dieses Selbsporträts von Andy Warhol werden. Plus 250 Dollar Frachtkosten und das Kunstwerk steht in wenigen Tagen vor der Haustür. Herrlich bequem. 
screenshot von amazon.com, Werk von Andy Warhol
Hinter dem Verkauf steht nicht etwa Amazon direkt, sondern bei uns eher unbekannte Galerien wie die UGallery, ein reiner Onlinehändler, oder beispielsweise die Sergott Contemporary Art Alliance aus Santa Fe. 

Das alles ist ja eigentlich nichts Neues. Denn es gab schon viele Versuche, online Kunst zu verkaufen (wir haben beispielsweise vor einiger Zeit über die Online Kunstmesse VIP Art Fair berichtet). Während man bei der Messe-Webseite aber tief ins Kunstwerk hineinzoomen, sich die Dimension des Werks mithilfe einer menschlichen Figur vor Augen führen und zudem eine Beschreibung und Einschätzung durchlesen konnte, wird man bei Amazon weniger informiert. Hier scheint es keinen Unterschied zu machen, ob man nun Kunst oder eine DVD kauft. Eine kurze Beschreibung - ja. Vergrößern - ja. Immerhin ein Extra-Foto mit dem Kunstwerk an der Wand mit Stuhl und Tischchen gibt es. Mehr aber auch nicht. Das ist schade, denn für die Präsentation von Kunst im Internet scheint es keine frischen Ideen zu geben und die Entwicklung zu stagnieren.
Screenshot von amazon.com, Werk von Jeff Koons
Mit diesem Akt des zweitgrößten Onlinehändlers der Welt* ist die Kunst wohl endgültig in der Konsumwelt angekommen. Ich shoppe ein bisschen - kaufe dies und das und eben auch ein Kunstwerk. Was früher der Bildungselite und den Reichen vorbehalten war, kann nun jeder tun. Egal, wie groß das Bankkonto ist und egal, ob ich mich auskenne oder nicht. Einige Millionen kostet das teuerste Kunstwerk, aber auch für ein paar Dollar bin ich schon dabei. 

Ist das nun gut oder schlecht? Die Zeit muss es wohl zeigen. 
Denn es werden zwar Barrieren abgebaut und der Kunstmarkt öffnet sich damit immer stärker dem Trend zur Onlinewelt. Aber das Besondere, Begehrenswerte und Rare geht dem Kunstwerk damit verloren. Kunst ist jetzt leicht zu haben. Und was leicht zu haben ist, wird leider auch schnell langweilig. Keine gute Nachricht für die Kunst.

* Die US-Regierung ist der größte Onlinehändler (mit dem höchsten Umsatz), siehe Spiegel-Bericht: http://www.spiegel.de/wirtschaft/studie-amazon-ist-nicht-der-groesste-online-haendler-der-welt-a-137072.html

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