Mittwoch, 25. September 2013

IM SCHLAGLICHT: Farbgewaltige Bilder, die Geschichten erzählen

zu: Steve McCuryy im MKG Hamburg // bis 10.11.13

„Wow – starke Bilder!“, dachte ich, nachdem ich die Ausstellung von dem Bildjournalisten Steve McCurry gesehen hatte. Eigentlich war ich wegen einer anderen Ausstellung in dem Museum für Kunst und Gewerbe, aber ich konnte an diesen farbgewaltigen Bildern nicht vorbeigehen. Denn sie laden regelrecht dazu ein, lange und intensiv betrachtet zu werden.

Frauen beim Einkauf tragen die traditionelle Burka, Kabul, Afghanistan, 1992
© Steve McCurry / Magnum Photos / Agentur Focus
Die Ausstellung umfasst rund 120 Fotografien, die zwischen 1980 und 2012 in Ländern wie Pakistan, Indien, Tibet, Kambodscha, Indonesien, Burma, Kuwait entstanden sind. Steve McCurry ist vor allem durch seine Bilder vom Afghanistan-Konflikt berühmt geworden. Dennoch sieht er sich selbst eher als „Kriegsrandfotograf“, denn ihm geht es um die Geschichten, die er am Rande des Kriegsgeschehens beobachtet und damit um die Menschen und Landschaften, die der Krieg zurücklässt. Dabei zeigen die Bilder häufig eine Mischung aus Tragik, Humor und Schönheit.
So sieht man das Foto einer todgeweihten Ente im Ölteppich (1992) – eines der Lieblingsbilder des Fotografen. Das Bild ist zwar völlig schwarz, aber mit einigen hellen Lichtreflexen sowie dem rot leuchtenden Auge der Ente im schwarzen Ölmeer versehen. Farblich sehr ästhetisch, trotz des tragischen Kontexts, in dem das Bild festgehalten wurde. Eine besondere Mischung, die man in vielen Fotografien wieder findet.
Afghanisches Mädchen, Peshawar, Pakistan, 1984
© Steve McCurry / Magnum Photos / Agentur Focus
Neben Bildern aus Natur, Landschaft und Alltag gibt es auch einige Porträts. Sie erzählen Geschichten über Menschen aus fremden Kulturen, an spannungsvollen oder auch gottverlassenen Orten. Man sieht das Porträt eines zehnjährigen Jungen, der den Gesichtsausdruck eines alten Menschen hat. Zudem findet man in dieser Retrospektive das bekannte Porträt des jungen afghanischen Mädchens Sharbat Gula, das der Fotograf in einem Flüchtlingslager aufgenommen hat. Wie häufig in den Porträts, erkennt man auch hier diese Mischung aus Angst, Abwehr und Neugier in dem Blick der Person. Das Mädchen mit den großen markanten grünen Augen wurde in der westlichen Welt zum Symbol der afghanischen Flüchtlinge. 17 Jahre später fand McCurry es wieder, als 31jährige Mutter von drei Kindern, inzwischen mit einer Burka. Es entstand ein neues Porträt, eine junge Mutter, dennoch mit dem Gesicht einer alten Frau. Ein Porträt, das bei mir Gänsehaut verursacht hat, ebenso wie das Foto eines Schneiders aus Indien, der durch einen Monsun seine ganze Existenz verloren hat und nun versucht, als einziges Hab und Gut seine alte Nähmaschine vor dem Wasser zu retten. (Manchmal gelingt es McCurry aufmerksam zu machen und auch zu helfen: Der Nähmaschinenhersteller soll das Bild gesehen und dem Schneider eine neue Maschine geschenkt haben.)

Es gibt viel zu entdecken in den berührenden Fotografien von Steve McCurry! Bilder, die auf den ersten Blick chaotisch scheinen, offenbaren bei genauem Hinsehen Ordnung und Ruhe. Es sind eindrucksvolle realistische Darstellungen, Farbgeschichten und Facetten der menschlichen Existenz, die nach Angaben des Fotografen völlig unbearbeitet sind. Eine wirklich sehenswerte, beeindruckende Ausstellung, die noch bis zum 10. November läuft!

Abbildungen von: http://www.mkg-hamburg.de/de/presse/pressebilder/ausstellungen/steve-mccurry-ueberwaeltigt-vom-leben.html am 24.09.13

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