Freitag, 6. September 2013

Tschechien gegen Slowakei?

zu: Pavla Sceránková, Dušan Zahoranský " Výročí", Galerie 35M2, Prag // bis 06.10.2013
Die Tschechen und Slowaken sind tennisbegeisterte Menschen. Das wissen auch wir Deutschen spätestens seit Martina Navratilová oder Ivan Lendl. 
Auch ihre Künstler zeigen sich sportlich. Ein tscheslowakisches "Tennisspiel" kann nämlich momentan verfolgen, wer die kleine Galerie 35M2 im immer hipper werdenden Viertel Žižkov besucht.

Eine Figur aus Tennisbällen begrüßt mich am Eingang zur Galerie. Ein Motiv, das ich auch auf einer Briefmarke wiederfinde, die auf die Eröffnungseinladung gedruckt ist. Herausgegeben wurde sie in den 70er Jahren, um den 80. Jahrestag des Tennisspiels im Land zu feiern.

Im Inneren dann ein Film mit zwei schnaufenden, lachenden Künstler. Der Ball fliegt hin und her. Beide laufen emsig, schlagen und werden manchmal - sehr zum Vergnügen der Betrachter - selber zum Gejagten. Der Ball ist einfach schneller.
Wer länger hinsieht, fragt sich aber: Spielen die beiden wirklich gegeneinander?
Das Video ist jeweils an eine Ecke der beiden Räume projiziert. Und dann wird klar - die beiden spielen wie beim Squash den Ball gegen die Wand. Es sieht also nur so aus, als spielten sie ein gemeinsames Spiel. Eigentlich spielen beide alleine.
Ausschnitt aus Videoprojektion
Keine Frage, hier geht es fröhlich zu. Die beiden lachen und haben Spaß. Aber warum bloß nur ein "Scheinduell"? Vielleicht ein Symbol?
Schließlich spielt hier nicht irgendwer gegen irgendwen. Es ist Pavla Sceránková, eine gebürtige Slowakin, gegen Dušan Zahoranský, einem Tschechen. Tschechen und Slowaken verbindet viel - schließlich waren sie jahrelang ein gemeinsamer, föderaler Staat. Und heute? Was einmal zusammengehörte, ist nun getrennt. Sie sind nur scheinbar Gegner und eigentlich jeder für sich?
So ganz schlau werde ich daraus leider nicht. Der Unterhaltungsfaktor beim Zusehen entschädigt aber!

Abb. oben von: http://www.filaso.cz/katalog-znamky/969/1973-80-vyroci-organizovaneho-tenisu-v-ceskoslovensku

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