Montag, 7. Oktober 2013

Gerhard Richter - der Bildermacher

zu: Gerhard Richter "Streifen + Glas" in der Staatliche Kunstsammlungen Dresden - Albertinum, Dresden // bis 05. Januar 2014

Rot, grün, blau, lila, weiß. Zehn Meter lange hauchdünne Streifen flimmern vor dem Auge. Mit genug Fantasie lässt sich in den Linien der Horizont ausmachen und mit etwas Abstand gewinnen die Bilder gar an Tiefe.
Strip (927-9), 2012

Gerhard Richter hat mit diesen "Streifen" einen Coup gelandet und das, ohne seine Prinzipien zu verraten. Aber von vorne.

Der Besucher beginnt am Besten in den beiden dauerhaft eingerichteten Richter-Räumen im Albertinum. Da hängen im ersten Raum neben den so bekannten frühen fotorealistischen Arbeiten auch "Graubilder", abstrakte Werke der letzten Jahre und ein dem Konzept der Minimal-Art folgender "Spiegel". Und deshalb lässt sich dort auch wunderbar Richters Prinzip des organisierten Zufalls nachvollziehen: die Vorlagen für die fotorealistischen Arbeiten sind beispielsweise zufällig aus Magazinen gewählt und bei den abstrakten Werken versucht er die Farbordnung mit Hilfe eines Rakels - eine Plastikscheibe, mit der er über die Farbe streicht - zu verwischen. Welche Schichten lösen sich, welche nicht? Nicht er hat die vollständige Kontrolle über das, was am Ende herauskommt. Allerdings kann er ordnen und bestimmen, "Ja, jetzt ist es fertig."
Sekretärin (14), 1963

Nach so viel grauer und schwarz-weißer Tristess überrascht den Besucher im nächsten Raum eine orientalische Farbenpracht. Viele kleine, bunte Glasarbeiten hängen da mit dem poetischen Titel "Aladin". Und wieder ist der Zufall das bestimmende Thema: zuerst verteilt der Künstler verschiedenfarbige Lackfarbe in einer Wanne und drückt dann eine Glasplatte hinein. Et voilà!
Aladin (915-2), 2010

In der Sonderausstellung dann gibt es nicht mehr viele kleine dieser Glasarbeiten, sondern wenige größere. Und endlich - die Streifen. Gerhard Richter hat dazu eines seiner früheren abstrakten Bilder solange zerteilt und gespiegelt bis zehn Meter lange, bunte Streifen dabei herauskamen. Auch hier hat er wieder in den Zufall eingegriffen und die Streifen bewusst farblich harmonisch kombiniert.
Bei diesen schönen, wunderbar harmonischen Streifen und auch den größeren furchtbar hübschen Lackarbeiten hinter Glas beschleicht mich allerdings der Gedanke: fast schon zu schön...

Neben den ganz neuen Arbeiten sind in der Sonderausstellung auch Papierarbeiten aus Richters DDR-Zeit zu sehen. Eine wirkliche Besonderheit, denn Richter hat nach seinem Umzug in den Westen eigentlich keine seiner DDR-Bilder anerkannt und sogar etliche verbrannt.

Was ich also mitgenommen habe: Gerhard Richter ist kein Maler, sondern eher ein Bildermacher. Jegliche Handschrift ist getilgt oder unter technischer Perfektion vergraben. Und davon erzählen die Gerhard-Richter Räume im Albertinum in wunderbar lehrsamer Weise. 

Abb. von: http://www.gerhard-richter.com/art/paintings/abstracts/detail.php?paintid=17614&catID=93&p=3&sp=32; http://www.gerhard-richter.com/art/paintings/photo_paintings/detail.php?paintid=5481&tab-artwork=atlas; http://www.gerhard-richter.com/art/search/detail.php?paintid=15310&artworkID1=paintings&title=aladin&p=1&sp=32 (07.10.2013)

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