Donnerstag, 12. Dezember 2013

IM SCHLAGLICHT: Der Bildermacher*

zu: "Christoph Schlingensief" im KW Institute for Contemporary Art // bis 19.01.14

Christoph Schlingensief ist das ewige enfant terrible der deutschen Theater- und Filmszene, und er bleibt es auch nach seinem viel zu frühen Krebstod im Jahr 2010. Wie einzigartig der Mensch Schlingensief und sein Schaffen war, beweist nun erneut eine aktuelle Retrospektive in den Ausstellungsräumen des KW Institute for Contemporary Art in Berlin-Mitte. Und dieser Ort ist dafür prädestiniert. Insbesondere das fensterlose Erdgeschoss wurde vollends von Schlingensiefs Geist und Ideen vereinnahmt. Düster, mystisch und verlockend wurden dort seinen Animatographen, eine sich drehende Fotoplatte, installiert und die Holzpfeiler seines Pfahlsitzen-Happenings ("Church of Fear") von 2003 aufgestellt. Alles darf betreten, angefasst und nachempfunden werden. Schlingensief war ein unorthodoxer Macher und hielt nicht viel von Konventionen. Das zeigt sich sowohl in seinen filmischen Werken, wie in der "Deutschlandtrilogie", als auch in seiner Theaterlaufbahn, die an der Volksbühne in Berlin begann. Themen fand er genügend, und er wurde nicht müde, wichtige Botschaften künstlerisch zu verbreiten und sich und seine Umwelt damit zu überfordern.
"Church of Fear" (Biennale di Venezia 2003), courtesy Hauser&Wirth, Foto: Uwe Walter
Abrissartig (aber wie sollte es anders möglich sein?) werden hier die Höhepunkte seiner Kunst exemplarisch dargestellt und nicht nur einmal beginnt der Besucher in Lachen auszubrechen. Irgendwo zwischen zynisch und böse, entlarvend und persiflierend ist das Polittheater des Christoph Schlingensiefs einzuordnen. "Talk 2000" und "U 3000" unterlaufen satirisch den Kapitalismuszirkus unserer Zeit, während Schlingensief in "Chance 2000" gleich eine ganze neue Partei gründen will und damit an seine künstlerischen Auseinandersetzungen mit der CDU ("100 Jahre CDU") und der FDP ("Aktion 18") anknüpft. Auch seine weltweit bekannten Projekte der "African Twintowers" sowie seine Parsifal-Inszenierung in Bayreuth haben Einzug in die Ausstellungshallen erhalten. Das KW porträtiert Schlingensief ohne großes Tamtam, sondern mit viel Offenheit und nötiger Distanz zu diesem polarisierenden Künstler. Deutlich wird so oder so: Wir haben es hier mit einem furiosen Genie zu tun, der nun seinesgleichen sucht.
"Deutschlandtrilogie", 1988-93
Neben den ausgestellten Werken werden im Club 69 nebenan darüber hinaus täglich Filme von Schlingensief gezeigt!

* Der Begleittext des KW verkündet: C.S. war Filmemacher, Theaterregisseur, Aktionskünstler, Hörspielautor, Installationskünstler, Musiker, Opernregisseur, Sichtbarmacher und vor allem: Bildermacher.


Abb. von: https://www.facebook.com/photo.php?fbid=10153556359825165&set=a.10153556358870165.1073741836.214443575164&type=1&theater am 09.12.13

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