Montag, 16. Dezember 2013

IM SCHLAGLICHT: Der Gott des Weines in Hamburg

zu: „Dionysos – Rausch und Ekstase“ im Bucerius Kunst Forum // bis 12.01.14

Wer mit offenen Augen durch die Geschäfts- und Caféstraßen flaniert, begegnet nicht selten Namensgebungen, die aus der griechischen Mythologie stammen: Hermes, der Götterbote, wirbt für einen Paket-Dienst, Apollon, der Gott des Lichts, muss für Apollo-Optik herhalten und Dionysos ist - als Gott des Weines, des Rausches, der Freude und Fruchtbarkeit - nicht selten beim Griechen um die Ecke wiederzufinden. Auch in der Kunst ist die Themenvielfalt der griechischen und römischen Mythologie eine Quelle zahlreicher Bildmotive für Künstler. In der aktuellen Ausstellung „Dionysos – Rausch und Ekstase“ im Bucerius Kunst Forum in Hamburg drehen sich alle Exponate um die epochenübergreifende Begeisterung für das Leben des Weingottes Dionysos, seiner Begleiter und der dionysischen Bildwelt.
Jusepe de Ribera (1591-1652): Dionysos, um 1635, Madrid, Museo Nacional del Prado
Griechische Darstellungen bereits aus der Antike zeigen den Gott auf Vasen und in Reliefdarstellungen. Dionysos (auch Bacchus genannt) selbst wird meist mit Attributen wie dem Thyrosstab, Trauben, Trinkgefäß oder Leopard ausgestattet. Dabei wandelt sich der Typus des bärtigen, erwachsenen mit Efeu bekränzten Gottes in langem Gewand zur jugendlichen Gestalt. Dieser Wandel wird hier deutlich, aber die Besonderheit dieser Ausstellung liegt meiner Meinung nach in der Gegenüberstellung antiker und neuzeitlicher Werke. Wie wunderbar lässt sich die thematische Verwandtschaft in einigen Arbeiten der verschiedenen Epochen nachvollziehen. Auch bei meinem persönlichen Favoriten der Ausstellung, die Ölmalerei von Jusepe de Ribera um 1635, befindet sich gleich daneben das römische Marmorrelief, das die „Einkehr des Dionysos“ zeigt. In beiden Werken wird derselbe Typus abgebildet, Dionysos als bärtiger und efeubekränzter Mann, der müde das schwere Haupt senkt. Spannend, wenn man den direkten Einfluss der Antike auf die Kunst der Neuzeit so offensichtlich vor Augen hat!
Annibale Carracci (1560-1609): Bacchus, um 1590, Neapel, Galleria Nazionale di Capodimonte
Dargestellt werden auch immer wieder die Begleiter von Dionysos: Naturdämonen wie Silene, Satyrn, Nymphen und natürlich Ariadne. Diese wurde von Dionysos getröstet, nachdem Theseus sie verlassen hatte. Daraufhin wurde sie seine Gemahlin. Dionysos und Ariadne gelten als eines der schönsten und liebenswertesten Paare in der mythologischen Geschichte. Sie stehen für das harmonische Miteinander, für die Liebe und das Glück, das man im Leben erreichen kann und wurden in der darstellenden Kunst und Literatur immer wieder gefeiert: „ ... Weil die Zeit flieht und enttäuscht, sind sie stets zusammen und glücklich so [...] was sein muss, soll angenehm sein [...] wer froh sein will, sei es heut, der morgige Tag ist ungewiss!“, so ein Gedicht von Lorenzo di Medici (1490) über das Liebespaar. Annibale Carracci und Cesar van Everdingen z.B. greifen in ihren Gemälden die Liebesgeschichte wieder auf.

Das rauschhafte Lebensgefühl, das mit Dionysos in Verbindung gebracht wird, als eine Hommage an das Genießerische und die Fröhlichkeit im Leben. – Es hat eine langanhaltende Faszination in der Kunst, die sich durch die Skulpturen, Reliefs, Vasenmalerei, Gemälde, Zeichnungen und Kupferstiche auch auf den Besucher zu übertragen vermag und beim Betrachten der Werke erlebbar wird.

Abb. von: http://www.buceriuskunstforum.de/ausstellung/dionysos/?tx_bkfcalendar_bkfcalendar[imageI]=3&tx_bkfcalendar_bkfcalendar[action]=showImage&cHash=26d7d165cc1f56e004acbe6a8de047aa am 12.12.13

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