Montag, 10. März 2014

Die Alpen des Ruhrgebiets

zu: Halde Schurenbach in Essen / Halde Beckstraße mit Tetraeder in Bottrop

Zugegeben, im Ruhrgebiet liegt kein Schnee und Wandern wie in den Alpen kann man da auch nicht. Aber die Berge des Ruhrpotts, die Halden, sind eine echte industriekulturelle Besonderheit.

Beim Steinkohlenabbau fällt eine Menge sogenanntes taubes Gestein an. Material, das nicht mehr verwertbar ist. Wohin mit dem Abfall?
Die Halden sind menschengemachte Müllberge aus ebendiesem tauben Gestein. Im Kulturhauptstadtjahr wurden sie als Landmarken des Ruhrgebiets gefeiert und als Berge des Ruhrgebiets von Förstern seit den 60er Jahren aufwändig bepflanzt.
Im Städtedreieck Essen, Bottrop und Gelsenkirchen lassen sich gleich mehrere Haldenbesuche miteinander verbinden.
Richard Serra "Bramme für das Ruhrgebiet" auf der Schurenbachhalde, Essen
Der Weg auf die Halde Schurenbach ist ruhig und schön. Kaum Hinweisschilder weisen den Weg (vielleicht ein Grund, warum hier nur so wenig Leute unterwegs sind?). Vögel zwitschern, am Wegesrand stehen dicht Sträucher und Bäume. Oben angekommen belohnt einen der Blick aufs Ruhrgebiet. Man sieht die Arena auf Schalke, den Nordsternturm mit Lüpertz' Herkules (wir haben HIER schon berichtet), die Zeche Zollverein, Schornsteine und Industrie. Und Kunst gibt es auch noch: einsam auf der weitläufigen Mondlandschaft der Halde erinnert der amerikanische Künstler Richard Serra mit seiner "Bramme für das Ruhrgebiet" an das, was im "Pott" ehemals hergestellt wurde - Stahl.


Tetraeder, Bottrop
Sechs Kilometer weiter ist es wesentlich voller. Autos parken am Straßenrand und der Aufstieg ist schon nicht mehr so idyllisch, einsam und ruhig. Familien mit Kinderwagen, Fahrradfahrer und Fußgänger gibt es hier in Scharen. Der Weg nach oben ist ein wenig schweißtreibender und dauert länger als der auf die Schurenbachhalte. Dafür gibt es aber auch eine echte Attraktion auf dem Gipfel der Halde: den Tetraeder. Eine begehbare Aussichtsplattform, von der sich wieder ein anderer Blick aufs Ruhrgebiet zeigt. Wem das alles zu anstrengend war, der kann auf einer Bank verweilen.

So lässt sich wunderbar ein Sonntagnachmittag verbringen. Wer noch mehr Zeit hat, fährt weiter zur Zeche Haniel oder in das Josef Albers Museum/Quadrat in Bottrop.

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